Island Fotobuch von Soundtracking : Iceland

Weil uns die Natur auf Island schier überwältigt hat, haben wir uns Ende letzten Jahres dazu entschlossen, ein Fotobuch mit unseren schönsten Naturfotos zu erstellen. Hier seht ihr das Ergebnis. ♥

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Högni Egilsson - Der Klang isländischer Melancholie

 

Reden wir über die isländische Musikszene, kommen zwangsläufig Björk und Sigur Rós auf den Tisch. Sie kennt man. Hat man schon einmal gehört. Islands Aushängeschilder auf dem arty Musikmarkt. Doch wagen wir einen Schritt vorwärts, einen Blick um die Ecke, reihen sich neben die international erfolgreichen Vorzeige-Kreativlinge auch Talente, die trotz ihrer vermeintlichen Unauffälligkeit, ihrem islandzentrierten Wirken nicht weniger begabt und originell dahermusizieren. Einer von ihnen ist der wunderbare Högni Egilsson.

 

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"Kítón + Kex" - Dokumentation über Frauen in der Musikszene

Vor einigen Monaten haben wir im Kex Hostel in #Reykjavík die Veranstaltungsreihe KÍTÓN - konur í tónlist unterstützt und ein bisschen Filmmaterial zum ersten Teil dieser wunderbaren Dokumentationsreihe beigesteuert. Die ganze Dokumentation - insgesamt acht Teile - über Frauen (u.a. #Soley) in der (isländischen) Musikszene findet ihr auf Youtube und empfehlen wir euch wärmstens. (engl.)

 

#soundtrackingiceland #kexkiton #music #reykjavik #iceland

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// Spendenaktion: #dingemitmusikregeln // Soundtracking-Kalender "Inselstimmen" für die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V.

 


 

Weihnachten poltert mit großen Stiefel-Stampfern auf uns zu und wie jedes Jahr sitzen Jan und ich seit einigen lauschigen Abenden bei Kerzenschein zusammen und fragen uns, wie wir dieses Fest verbringen möchten, was und ob wir uns etwas schenken, was wir verschenken, was das alles soll und wie der Weihnachtsmann aussieht.

 

Eine Frage, die wir in diesem Jahr sehr schnell klären konnten, war die des Ortes und der Gesellschaft. Denn nachdem wir mit Soundtracking : Iceland ein halbes Jahr fern von Zuhause, unseren Familien und Freunden verbrachten und uns die letzten zwei Jahre über Weihnachten ins Ausland schlichen, um dem Trubel zu entfliehen, wollen wir dieses Jahr nachholen, was wir in den letzten verpassten: Ein bisschen Familienwahnsinn am Heiligen Abend, alle knuddeln, drücken, herzen, viel gutes Essen in uns hineinstopfen, mit unseren Liebsten darüber schmunzeln, wenn wieder die ewigen Kamellen von früher herausgezupft werden, Muttis und Vatis sich auf die Schenkel klopfen, während die Kinderlein genierlich am Plätzchen knabbern. Wir wollen beieinander sein in diesem Jahr.

 

 

 

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Wo stecken Sie denn gerade? - Soundtracking: Iceland im Lonely Planet Traveller Magazin

Danke, du liebes Lonely Planet Traveller Magazin für das nette Interview, nachzulesen in der Printausgabe Jan/Feb 2017 und heute schon vorab online. Mit dabei viel über Soundtracking : Iceland und einige Island-Tipps von uns. Wir freuen uns riesig und sind ordentlich stolz. ♥
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Ein halbes Jahr Soundtracking : Iceland - Und nu?

Es ist ruhig geworden um Soundtracking : Iceland. Das liegt allerdings nicht nur daran, dass wir einen kleinen Deutschland-Koller verwinden mussten, sondern hängt hauptsächlich mit unseren Plänen für die Zukunft zusammen, die derzeit geschmiedet werden wollen. Wir haben Großes und Großartiges vor und stecken mitten in einem Haufen Arbeit. Aber lest selbst…

 

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Madelines Island-Resümee

Regentropfen plätschern an die Fensterscheiben unseres Willis. Ein Tropfen hat sich genau in diesem Moment auf den Weg gemacht und fließt im Takt von Sigur Rós, der aus meinen Laptop-Lautsprechern melodeit, die Scheibe herunter und verschwindet aus meinem Sichtfeld. Gestern noch hat die Sonne geschienen, aber die warmen Strahlen würden heute nicht so richtig in die  Stimmung passen, die mich ergriffen hat. Wie die Wolken, die über Nacht aufgezogen sind und die ersten Schneeflocken auf die Bergspitzen geschickt haben, legte sich mit jedem Kilometer, den wir in den letzten zehn Tagen auf Seyðisfjörður zufuhren, eine Art klamme Kälte auf meine Schultern und drückte. Ich hatte mir vorgenommen, meine Leichtigkeit, die sich hier heimlich in mein Leben geschlichen und mich von innen heraus gewärmt hatte, mit nach Hause zu nehmen und meinen Liebsten ein Stückchen zu schenken. Doch jetzt, in diesem Augenblick, wo der eisige Winter hereinbricht, muss ich mir eine dicke Wolldecke bis über die Nasenspitze ziehen, damit meine eigenen Füße warm bleiben, während wir auf den Stahlkoloss warten, der uns über das kalte Meer tragen und unerbittlich unserer alten Heimat übergeben wird. Wir stehen auf einem grauen Parkplatz und haben noch eine Nacht, die wir im Schutz unserer Berge verschlummern dürfen. Oder  um die Gedanken des letzten halben Jahres zu ordnen, zu resümieren, was da eigentlich von ganz allein geschah. Weil wir es geschehen ließen.

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Jan´s Island-Resümee

Was ist eigentlich so mit mir passiert in diesem halben Jahr Island?

 

Die Frage, deren Antwort mir am Anfang vielversprechend erschien, möchte ich jetzt mal beleuchten. Vor dem Beginn dieser Reise und vor allen Dingen dieses Projekts, hat mich diese Frage mit am meisten von allen beschäftigt. Ich war gespannt darauf, was die Erfüllung der Aufgabe mit Musikern aus einem anderen Land, die mich gar nicht kennen, in Kontakt zu treten und gemeinsam zu musizieren, mit meiner Persönlichkeitsentwicklung macht. Ich habe erwartet, ständig über meinen eigenen Schatten springen zu müssen, während ich tagtäglich auf bisher fremde Menschen zugehe, mit denen ich wahrscheinlich nicht mehr, als die gleiche Leidenschaft teile. Denn ich kenne mich mehr als jemanden, der gern alleine ist und wenn nicht alleine, dann zumindest in einem sozialen Umfeld, das mir nicht ständig neue Menschen präsentiert. Eher ein Umfeld aus wenigen, guten, am liebsten langjährigen Bekanntschaften, in dem ich mich auskenne. So eine Art Sicherheitszone.

 

So war es zumindest in Deutschland. Im Nachhinein bin ich überrascht, wie viele schöne Bekanntschaften ich hier in Island machen durfte. Anfänglich haben wir ja viele Interviews mit isländischen Musikern und Bands über die hiesige Musikszene und den vermeintlich isländischen Sound geführt. Die Perspektive eines Interviewers war interessant und hat die Anzahl an Kontakten zu Musikschaffenden in kurzer Zeit sicherlich katalysiert, aber es gab mir auch ein Gefühl von unangenehmer Distanz. Ich kenne diese Situationen, allerdings aus der umgekehrten Perspektive – als Musiker. Wenn wir mit meiner eigenen Band Interviewsituationen hatten, kamen oft die gleichen Fragen. Nur wenige Interviews waren wirkliche Perlen, die in Erinnerung blieben. Diese Erinnerungen und Erfahrungen schwirrten mir die ganze Zeit im Kopf umher und damit waren meine Ansprüche an mich selbst, ein gelungenes, interessantes und amüsantes Interview zu führen, ziemlich hoch. Gelegentlich ist es mir für mich zufriedenstellend gelungen und ich war überrascht, dass die Musiker die Interviews angenehm fanden (Ich kenne die Floskeln und die Blicke von mir selbst und kann unterscheiden zwischen professionell freundlich und wirklich freundlich). Das war eine interessante Aufgabe, die zu meistern mich sicherlich ein Stück wachsen lassen hat. Wenn man was in der Tasche hat, wie wir unser Projekt, dann ist es wesentlich leichter Menschen zu begeistern und sich selbst interessant zu machen. Das habe ich gelernt. Mach was, irgendwas, und beziehe Menschen mit ein. Dann geht’s auch voran. 

 

 

 Die zweite Sache, die ich mit diesem Projekt unbedingt herausfinden wollte, sollte mir wieder ein bisschen mehr Antwort auf die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ geben. Mich mit mir selber zu identifizieren, war und ist nie leicht für mich. Herauszufinden, was ich eigentlich möchte, was ich kann oder was ich nicht kann, ist und war immer eine schwierige Aufgabe. Möglicherweise ist es auch deshalb so, dass ich ein für mich gefühlt doch recht abwechslungsreiches Leben führe. Ich bin gern an fremden Orten, in anderen Ländern, reise einfach wahnsinnig gern. Auch ziehe ich für gewöhnlich nach zwei bis drei Jahren in einer Wohnung ganz automatisch in eine andere oder habe Lust, auch beruflich was anderes auszuprobieren. Das es wichtig ist für mich, dem nachzugehen, habe ich mittlerweile rausgefunden. Nichts ist schlimmer als zu denken, man müsste einer Aufgabe gewachsen sein oder mit dem deutschen Gedanken von Stetigkeit, Konstanz und Sicherheit konform gehen. Muss man nämlich gar nicht. „Im Grunde muss man gar nichts“ - das ist ein sehr erleichternder Leitspruch. Denn man muss wirklich gar nichts, aber man kann ganz viel. Nun ja, um es nicht ausufern zu lassen, kann ich resümierend sagen, dass nach diesem halben Jahr Island für mich feststeht, dass mein Leben größer ist, als die Ideen, die ich dazu in meiner alten Heimat Hamburg hatte. Und nicht nur das Leben, sondern auch die Welt ist groß. Und irgendwo auf diesem Planeten verläuft mein ganz eigener Weg, hinter mir, denn wo er weitergeht entscheide ich Tag für Tag, Stunde für Stunde ganz allein und selbst. 

 

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Du da, im Raaadiooo...

Man wundert sich im kleinen Örtchen Hvammstangi - besonders die Menschen, die nicht so schnell mit uns in Kontakt kamen. Wer wohnt denn in diesem Wohnmobil, was da tagtäglich durch unsere Straße fährt. Warum ist es so groß und so alt? Damit diese Fragen endlich beantwortet werden konnten, hat man uns für ein Interview in die lokale Radiostation eingeladen. Dort haben wir ein wenig über unser Projekt und unser Wohnmobil geplaudert und natürlich unsere grandiose Abschiedsparty am letzten Freitag beworben. Danke nochmal an Herdís und Elísabet von Elísadís á Trölla fm für das lustige Gespräch. Wer die Sendung vom 13. Oktober 20:00 Uhr hören möchte, kann dies auf http://fm.trolli.is ...

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Deutsche und isländische Freundschaften – Begegnungen in drei Arten

Heute soll es um Menschen gehen, um Freundschaften und wie wir sie auf unserer Reise erfahren. Nach fast vollen sechs Monaten auf Island fanden wir so einige Freunde, verließen geglaubte Freunde wieder und lernten hin und wieder sogar richtig doofe Menschen kennen, die man eigentlich niemals um sich haben möchte. Erstere sind uns die liebsten, letztere tangieren uns eigentlich eher selten, da sie nur kurzweilige Begegnungen sind, über die wir im Nachhinein sogar lachen können. Mit zweiter Kategorie haben wir allerdings so unsere Schwierigkeiten, hatten wir schon immer. In Deutschland, in Hamburg und sogar in Island gab es sie, was uns – obwohl wir damit hätten rechnen sollen – dann doch (Wie sollen wir es ausdrücken? „überraschte“, „erschütterte“ „enttäuschte“) beschäftigte.

 

Bisher sangen wir über das isländische Völkchen ausschließlich in hohen Tönen. Und das Lied können wir auch weiter trällern, denn sie sind einfach famos. Vieles wird auf Island netter, einfallsreicher und freier gehandhabt als Zuhause. Jeder hat die Möglichkeit, etwas zu beginnen, zu gestalten und umzusetzen, ohne dafür belächelt zu werden. Die Voraussetzungen, etwas zu schaffen, sind ohne jeden Zweifel vorhanden. Falls die Erwachsenen einmal keine Lust haben, eine Halloweenparty für die Kinder zu organisieren, sich niemand darum kümmert, es schlichtweg vergessen wurde, gehen besagte Kinder einfach selbst zum Rathaus, holen sich eine Genehmigung des freundlichen Bürgermeisters und schmeißen die fetteste Sause, die der Ort je gesehen hat. Kein Ding. Wenn da jemand aus dem Ausland kommt und die Idee hat, Kaninchen zu züchten, weil das sonst niemand hier macht, also den Mut hat, eine innovative Geschäftsidee umzusetzen, dann helfen sogar die Menschen aus dem Dorf mit. Sie steuern freundschaftlich etwas bei, weil sie ein bisschen stolz darauf sind, dass sich jemand gerade ihr Land, ihr Dorf aussucht, um etwas Neues zu kreieren und auch weil sie daran glauben, dass es gut werden kann. Oder wenn da zwei Leutchen aus Hamburg kommen, die sich in den Kopf gesetzt haben, eine Dokumentation über die isländische Musikszene zu drehen, ohne je vorher in Island gewesen zu sein, auch dann lächeln sie, vermitteln Kontakte, geben bereitwillig Interviews, spielen Songs mit ihnen und freuen sich darüber, wenn man ihnen für ihr Vertrauen dankt. Manchmal wird auch eine Freundschaft daraus. Na klar, trafen wir auch Isländer, die mürrisch, patzig oder ungeduldig mit uns waren. Auch hier scheint nicht immer die Sonne. Doch bisher waren dies „Einmal-Begegnungen“. Entweder wir sahen sie nie wieder oder sie waren beim nächsten Mal freundlicher und aufgeweckter. Meine Theorie zu denen, die beim zweiten Mal plötzlich zugetaner waren: Sie realisierten, dass wir jetzt einfach da sind. Dass wir uns Mühe geben, isländisch zu lernen, dass wir auch ziemlich nette Leute sind und dass wir uns nicht beirren lassen. Gefühlt sind die Isländer einfach sehr viel besser darin, Ist-Zustände als gegeben anzunehmen und das beste daraus zu machen. Tolerieren, akzeptieren und vielleicht sogar etwas Freude daran finden, zumindest aber, sich auf keinen Fall die eigene Zeit vermiesen lassen.

 

Auf Reisen sein, fühlte sich lange Zeit immer so an, als wären wir unter unserer kleinen, sicheren Glaskuppel unterwegs. So ging es uns in Frankreich und Spanien, in San Francisco, in Schweden, Teneriffa und anfänglich auch in Island. Unterwegs sein, von A nach B, häufige Ortswechsel und das Land erkunden, spontane Bekanntschaften, die sich manchmal sogar wie Freundschaften anfühlten, sich so anfühlen KONNTEN, gerade weil sie vergänglich waren, gaben uns das Gefühl, dass sie es alle mindestens genauso gut mit uns meinten, wie wir mit ihnen. Dass sie auf uns genauso neugierig waren, uns gegenüber ebenso unvoreingenommen waren, wie wir ihnen gegenüber. Klar, auch kurze Begegnungen mit weniger erheiterndem Charakter waren darunter. Vor einigen Wochen erzählten wir zum Beispiel einem Nachbarn auf der Reykjavík Campsite von unserem Projekt. Dass wir eine Dokumentation drehten und dafür ein halbes Jahr  in unserem Wohnmobil unterwegs wären. Fand er wohl irgendwie okay. Musik? Klasse! Was wir denn aber arbeiten würden, fragte er uns. Also, in Echt. Unser richtiger Job, wie wir uns das leisten könnten. Wir berichteten ihm von unseren Jobs, die wir von hier in Deutschland ausübten und er nickte. Diese Art von Nicken, die nicht viel mit ehrlichem Verstehen zu tun hat. Danach hatten wir uns eigentlich nicht mehr viel zu sagen (zumindest Jan und ich wussten nicht mehr so recht, was uns dazu noch einfallen sollte). Er hingegen musste uns noch unbedingt erzählen, was er so tat, Bankangestellter, dass er letzte Woche mit einem bekannten CSU-Politiker zu Abend gegessen hätte und dass wir ja auch noch ein wenig Zeit zum Geld verdienen hätten, damit wir später ähnliche Vorzüge genießen könnten. In väterlichem Ton. Mit viel Mitgefühl darin. Sogar richtig nett gemeint, glaube ich. Wissen wir zu schätzen. Ehrlich. Aber um wirklich ganz ehrlich zu sein, haben wir anderes vor. Glücklich sein zum Beispiel. In erster Linie. Und mehr Zeit füreinander haben als vier Wochen im Jahr. Lieber einen liebevoll gehegten Willi haben, als ein aufgemotztes 500.000€-Mercedes-Expeditions-Vehikel mit Keramikschüssel. Nichts für ungut.

Witzigerweise kommen viele dieser Art Wortmeldungen aus Deutschland. Oft kommt es uns so vor, dass dieses protestantische „Schaffe, schaffe“ viele Ecken, Gesellschaftsschichten und einen großen Teil des Denkens und Glaubens in unserer Heimat dominiert. Über Glück, Liebe und friedvolles Miteinander wird unserer Erfahrung nach nur am Rande gesprochen. Deutschsein bedeutet im Großen und Ganzen Geld und Arbeit. Und ganz viel „Ich“. Leider. 

Wo wir auch wieder beim Thema wären. Denn es gibt einige Deutsche Auswanderer in Island. Viele suchen auf dieser wunderschönen Insel, die auch uns magnetisch angezogen hat, etwas anderes, als das, was sie aus Deutschland gewohnt sind. Nahezu grenzenlose Natur, unzählige Möglichkeiten, Träume zu verwirklichen und oft sogar die Liebe, ziehen Männlein und Weiblein hierher. Viele finden das, was sie für sich und ihr Leben suchen, doch einige scheitern auch. Meist an ihrem eigenen deutschen Charakter, dem sie eigentlich zu entfliehen versuchten.

Schwierig wird es für uns immer dann, wenn wir auf derlei Menschen stoßen. Zunächst ist da natürlich das Wohligsein, das Zuhause-Gefühl, wenn wir uns mit Deutschen gut verstehen. Ich denke, das geht wohl jedem so, der sich für längere Zeit im Ausland aufhält, die Sprache nicht spricht und sich in die örtlichen Gepflogenheiten eingewöhnt. Wir alle suchen immer nach Menschen, die uns am nächsten sind. Man lernt sich kennen, mag sich, hilft sich und freut sich über- und miteinander. Verbringt Zeit zusammen. Doch es kann auch der Zeitpunkt kommen, an dem aus einer Starthilfe eine Erwartung resultiert, aus einem „Ich helfe dir“ ein „Was bekomme ich zurück?“, aus einem „Lass uns das machen“ ein „Du hast es mir versprochen“, aus einem „Selbstverständlich“ ein „Aber“ werden. Und dann weiß man, dass alles eigentlich wie überall ist. Dass Freunde wertvoll sind und wir sie überall auf der Welt finden, wir uns aber auch überall auf der Welt vertun können. Dass soziale Beziehungen überall speziell sind, einfach sein können, möglicherweise in Freundschaften resultieren, oder aber an Charakterzügen scheitern, die wir Zuhause schon total doof fanden. Und dann erinnert man sich daran, dass man auch ein bisschen aus genau diesem Grund aus Deutschland weggegangen ist.

 

Zum Glück gibt es da aber auch die wunderschönen Begegnungen, die sich von Anfang an gut anfühlten und sich nach und nach zu richtig festen Freundschaften entwickeln. Und natürlich kam es beim Aufeinandertreffen überhaupt kein Stück darauf an, wo jemand seine Wurzeln hatte. Mit deutschen Digitalnomaden können wir uns wunderbar austauschen, über unsere Erfahrungen als Neulinge auf dieser tollen Insel sprechen, uns gegenseitig Tipps verraten und hin und wieder bei einem leckeren Wein und einer guten Tafel Schokolade einfach nur zusammensitzen und über Gott und die Welt (in Deutschland) klönen. Unsere isländischen Freunde eröffnen uns auf der anderen Seite eine fast komplette neue Welt, zeigen uns ganz unbewusst Gepflogenheiten und Umgangsarten, die man hier so pflegt und sind gleichzeitig unheimlich interessiert an allem, was wir aus unserer Heimat so mitbringen. An Kochrezepten, Instrumenten, wie man eine Musikschule betreibt und unserem Willi. So gleicht sich alles aus, wir mummeln uns in Altes und Bekanntes ein, das wir auch gern weitergeben, fühlen uns aber genauso wohl, dass wir Neues, Aufregendes und manchmal Merkwürdiges kennenlernen dürfen. Der Mix macht`s. Immer.

 

Soziale Beziehungen sind wirklich etwas Verrücktes. Und witzigerweise sind wir – fällt uns jetzt im Nachhinein auf – davon ausgegangen, dass im Ausland alles anders ist. Rosiger, nur coole Leute um uns rum. Stimmt auch. Ungefähr vier Wochen lang. Dann trennt sich spätestens die Spreu vom Weizen. Wie immer, überall, in Deutschland, auf Island oder in Buxtehude. Menschen sind halt Menschen und obwohl wir persönlich die isländische Mentalität etwas lieber haben als unsere heimische, erwischen auch wir uns hin und wieder dabei, dass wir uns über meckernde, alte, deutsche Opis freuen. Irgendwie.

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Chapter #10 - Soundtracking ganz privat

Auszeit

Sonnenbetankt, braungebrannt und vollgefuttert mit allerlei frischem Obst und Gemüse wurfden wir Dienstag Nacht von feinsten Nordlichtern am Flughafen Keflavík begrüßt. Wie jetzt Flughafen? War da was? Um ehrlich zu sein, ja. Klammheimlich haben wir uns eine Woche lang aus dem Staub gemacht und sind in die Sonne geflogen. Nach knapp einem Jahr quasi nonstop Soundtracking hatten wir einfach einmal das Bedürfnis, den Computer, die Kamera und unseren kuscheligen Willi ruhen zu lassen, die Firma Firma sein zu lassen und uns um unsere Beziehung zu kümmern. Eine Woche Jan & Madeline. Und eine Woche Teneriffa bei knapp 30 Grad, sternenklaren Nächten im T-Shirt, viel Oktopus, Fisch, Maracuja, Mojo auf dem Teller und ner Menge „mañana“. Wichtig war das, auch um mal sacken zu lassen, was wir da eigentlich in den vergangenen Monaten erlebt und geschafft haben. Wenn man so viel Neues, Spannendes und Aufregendes erlebt, alles auf einen Haufen stapelt, der immer  höher und höher wird, hat man am Ende gar keine Zeit zu schauen, ob unten schon fruchtbarer Kompost angesetzt hat, wenn ihr wisst, was ich meine... Für einen kleinen Rückblick, eine Bestandsaufnahme und um unsere Batterien wieder etwas aufzuladen, war dieser Urlaub also eine richtig gute, wenn auch spontane Idee. Zumal wir mittlerweile unsere Fähre zurück nach Deutschland gebucht haben und noch einmal all unsere Energie für die letzten fünf Wochen Soundtracking : Iceland mobilisieren wollen.

 

Und sonst so? Was war eigentlich los in den letzten Wochen?

 

Best friends im HotPot

Endlich konnte ich letztens meine beste Freundin wieder in die Arme schließen, die zusammen mit ihrem Freund einen Abstecher in Islands Norden unternahm. Nach meinem kleinen Heimweh-Anfall im letzten Blog-Beitrag war das irgendwie auch bitter nötig. Vor lauter Freude haben Jan und ich uns dieses Mal auch richtig was einfallen lassen, um beiden einen möglichst guten Eindruck von „typisch isländischen“ Gegebenheiten bzw. Aktivitäten zu vermitteln. So viel eben, wie in drei Tagen möglich war. Also Badesachen eingepackt und ab in` HotPot. Um die Ecke gibt es einen sehr schönen, absolut geheimen Natur-HotPot, in dem man so gut wie immer allein ist und eine wunderschöne Aussicht auf den Fjord hat. Wenn man so richtig Glück hat, und das hatten wir, ist der HotPot richtig hot, der Fjord vergleichsweise warm und am Himmel tanzen die Nordlichter. Unglaublich. Schon einige Tage zuvor probierten Jan und ich diesen Geheimtipp aus, allerdings war das Wasser etwas zu lau, sodass wir uns mit kleinen Beatbox-Wasserturn-Übungen in Bewegung hielten, um nicht auszukühlen. Auch nicht schlecht.

 

Selasigling Hvammstanga

Etwas, was Jan und ich selbst auch noch nie gemacht haben, nahmen wir uns für den zweiten Morgen vor, der uns mit strahlendem Sonnenschein entgegen lachte: Eine Robben-Bootsfahrt. Hauptsächlich habe ich mich bisher vor jeglichen Aktivitäten auf einem Boot gedrückt, weil ich nicht besonders seefest bin (siehe unsere Fährfahrt nach Island), doch bei so gutem Wetter, spiegelglatter See und Besuch von Zuhause, hatten meine Ausreden einfach keine Chance und ich überwand mich letztendlich. Eine fantastische Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Sicherheitshalber hatte ich vor Abfahrt noch eine Banane auf meinen nervösen Magen gelegt, am Ende war das Wasser allerdings so ruhig, dass mir der kleine Snack erst so richtig Appetit bereitete. Das Robbenboot lud uns schon von Weitem mit zünftiger Seefahrermusik ein, sodass Jan und Benny es sich nicht nehmen lassen konnten, ein kleines Tänzchen aufzuführen. Tja, Rhythmus im Blut, bleibt eben auch auf einem Kutterkahn Rhythmus im Blut. Und tanzende (See-)Männer sind ziemlich sexy, finde ich jedenfalls. Motoren laufen, Leinen los, „Eine Seefahrt, die ist lustig“ angestimmt und ab geht er, der Hans-Peter. Der Kapitän nimmt seinen Platz hinter dem Steuer ein und Sölvi, der Robbenexperte, verteilt noch schnell Ferngläser. Tatsächlich gab es dann ziemlich viel zu sehen. Natürlich die kleinen und ziemlich großen, dicken und supersweeten Robben, die sich auf Felsen aalen, mit den Flossen klatschen oder sich hinter dem Ohr kratzen. Aber auch eine grandiose Aussicht auf die Westfjorde, einen Gletscher, Hvammstangi, viele alte, verlassene Farmen und wenn man einen Blick nach unten riskierte, faszinierende Einblicke in die Unterwasserwelt. Da das Wasser nahezu überall auf der Insel, in den Fjorden, Flüssen und Seen glasklar ist, kann man teilweise viele Meter tief Algen, Quallen und Fische erkennen, die dort eine ganz eigene Welt bewohnen. Zwischendurch gibt es lecker Zimtschnecken, heißen Kakao, kleine Teigbällchen, deren Namen ich vergessen habe und immer wieder interessante und amüsante Storys von Sölvi rund um die Robben-, Tier- und Wasserwelt, sodass die knapp zwei Stunden Bootsfahrt mir nichts dir nichts vorüber sind. Mein Fazit: So ein Selasigling sollte eigentlich jeder einmal gemacht haben, denn es gibt wirklich viel zu sehen und zu erfahren. Bei Sonne und ruhiger See macht das ganze sogar kleinen Bootsfahr-Angsthäschen wie mir richtig Freude.

 

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Islandpferde

Am  Nachmittag ging`s auf Pferd. Natürlich! Jeder richtige Islandaufenthalt beinhaltet zumindest einen Ausritt auf einem waschechten Isländer. Diese wunderbar eigenwilligen, kräftigen und freundlichen Tierchen sind etwas ganz Besonderes. Mehrere Monate im Jahr stehen sie in den Bergen, genießen die Freiheit, das saftige Gras und leckeren Bergthymian und dürfen einfach nur Pferd sein. Und auch unter dem Sattel hat man einfach nur Freude mit ihnen. Sie sind es gewohnt, ihren eigenen Kopf zu benutzen, den Weg zu gehen, der für sie am sichersten ist, und doch ihrem Reiter gefallen zu wollen. Meist muss man sie nur freundlich bitten und schwupps wechseln sie in die schönste Gangart dieser Erde: Tölt. Und dann kann man selbst im schnellen Tempo Kaffee trinken, ohne dass nur ein Tropfen daneben geht. 

 

Määääh

Absolutes Highlight der drei Tage sollte der Schafabtrieb mit anschließendem Schafabtriebsball werden. Und was soll ich sagen? Unsere Erwartungen wurden um Längen übertroffen! Schon seit über einem Monat hatte ich mich auf dieses kulturelle Ereignis gefreut, bei dem einmal im Jahr alle Bauern eines bestimmten Gebietes ihre Schafe aus dem Hochland heruntertreiben lassen, um sie anschließend wieder mit zu sich auf den Hof zu nehmen. Viele Freiwillige reiten bereits eine Woche vor dem festgelegten Termin ins Landesinnere und treiben die Schafe von Pferch zu Pferch, bis die kleinen trotteligen Zottelviecher, die gern genau das Gegenteil von dem machen, was man von ihnen erwartet, in einem riesigen Holzrondell angekommen sind. Dieser große, eingezäunte Bereich  sieht von oben betrachtet aus wie ein geschnittener Kuchen, der in der Mitte ein Loch hat. Die Schafe werden nun in Grüppchen von jeweils ca. 200 Stück in das Kuchenloch gelassen und von dort aus in die Kuchenstücke, die jeweils einem Bauern gehören und durch eine Nummer gekennzeichnet sind, sortiert. Damit das gelingen kann, hat jedes Schaf ebenfalls eine Markierung im Ohr. Und nun zum spaßigen Teil. Viele freiwillige Helfer aus dem Dorf, aber auch Saisonarbeiter und Touristen helfen jedes Jahr bei der Sortierung der vielen Tausend Schafe mit. Es ist ein notwendiges Zusammenkommen, denn die Isländer leben von den Schafprodukten, aber auch fettes soziales Happening. Hier das Rezept für ein gelungenes Schafesortieren: Man lange mit festem Griff nach den Hörnern des Schafes, das man sich und seiner körperlichen Verfassung zutraut, schwinge sein Bein über den Rücken und unterstütze das Festhalten mit leichten Druck durch die Knie, sodass das zappelige, absolut störrische Wolletier leichter zu händeln ist. Im richtigen Moment löse man eine Hand vom Horn, lese flink die Nummer vom Ohr ab, um sofort wieder fest zuzugreifen, bevor das Horn irgendwo reinpiekst, wo es richtig wehtut. Und dann ab mit dem Kameraden in sein Tortenstück, wo er sich vom Bockigsein erholen kann. 

Hört sich doch eigentlich ganz einfach an, oder? Gestaltete sich allerdings doch etwas schwieriger, als ich dachte. Vor allen Dingen, weil ich mich erst einmal überwinden musste. Bis zu meinem ersten und einzigen Schaf, das ich in eine Box sortierte, gingen mir mindestens 20 Geschichten durch den Kopf, wie ich bei dieser Aktion zu schmerzhaften Verletzungen kommen könnte. Jan hatte scheinbar die gleichen Gedanken sodass am Ende des Tages folgender Schaf-Sortier-Score zu verzeichnen war: Esther: 1 Schaf, Benny:1 Schaf, Madeline: 1 Schäfchen, Jan: ½ (sprich: zugucken und kluge Ratschläge erteilen). Aber wie heißt es so schön:  Dabei sein ist alles. 

Kurz nach Hause, den Cowboy-Staub abgewaschen und ein bisschen aufhübschen für den Ball. Als wir alle so an unseren Haaren, Wimpern und Kleidern  rummachten (während die Männer auf uns warteten), hörten wir allerdings von nebenan eine Menge Gaudi und Live-Musik, sodass wir unsere Ball-Pläne vorerst aufschoben und auf einen Swutsch bei den Nachbarn vorbeischauten. Guter Plan, wie wir sofort wussten, als wir uns durch die Balkontür ins Wohnzimmer schmuggelten. Hier wurden ausgelassen isländische Lieder mit Klavier, Gitarre und vollmundigen Gesängen intoniert. Jan ließ es sich nicht nehmen, packte seine Gitarre ebenfalls aus und war sofort Teil des Orchesters. Schön anzusehen und -hören. Schwierig wurde es kurz, als die guten Leute auch mal ein deutsches Lied von uns Deutschen zu hören bekommen wollten. Allein durch unseren absolut selbstbewussten Blick konnten wir einem Rausschmiss entgehen, denn was wir dort an Dissonanz mit „Hejo, spann den Wagen an“, „Wir lagen vor Madagaskar“, „Ick heff mol n Hamborger Veermaster sehn“ und „Über den Wolken“ ablieferten, war an Schlechtheit kaum zu überbieten (Benny, Esther und ich überboten uns quasi im schief Singen und übertönten Jan gnadenlos). Sind ein sehr tolerantes Völkchen, die Isländer. Trotzdem wurden anschließend deutsche Lieder nur noch von unseren isländischen Freunden selbst gesungen. Sicher ist sicher.

Der krönende Abschluss des Abends war der Schafabtriebsball im Gemeindehaus, in dem wir schon das Punkfestival vor einigen Wochen begleitet hatten. Die Atmosphäre war dank getaner Arbeit und „Buddel-Party-Style“ ausgelassen, eine Coverband aus Reykjavík kombinierte isländische Volkslieder und Charts in Coverband-Manier und Jan und ich schwangen endlich mal wieder das Tanzbein. So richtig mit anfassen und Schrittfolge. Großartig. 

 

Und dann war der Moment des Abschieds wieder gekommen. Doof finde ich das jedes Mal. Richtig schön doof. Aber nur, weil es so schön war, mein Wochenende mit meiner besten Freundin. Und ereignisreich. Besuch heißt ja irgendwie auch immer ein bisschen, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen. Und das haben wir getan, alle vier. Mit heißen Bädern, auf dem Rücken von Pferden, an Bord des Robben-Kutters, in der Kuchenform voll mit Schafen und auf der Tanzfläche. Und das war gut so. Ich könnte glatt schon wieder Besuch bekommen.

 

Hier seht ihr das ganze in Bildern. Im Video-Log Nummer 10...

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Chapter #9 - Von Heimweh, Freunden und einem Zuhause-Gefühl

 

Mein Kalender hat mich heute daran erinnert, dass es in zwei Monaten nach Deutschland zurück gehen soll. Liebe Leute, wo ist die Zeit hin? Ich habe den Verdacht, sie rennt. Irgendwann in den letzten Wochen ist sie in ihre Siebenmeilen-Stiefel geschlüpft und klammheimlich losgespurtet. Und jetzt können Jan und ich nur hoffen, dass sie zwischendurch noch Pausen einlegt, sodass sich die verbleibenden acht Wochen doch noch ab und zu ein bisschen wie „unendlich“ anfühlen. 

 

Heimweh

Andererseits...

In den letzten Wochen packte mich dann doch das erste Mal Heimweh. Ich vermisse mein Zuhause. Für mich bedeutet das nicht etwa eine Wohnung oder eine Stadt, das habe ich in den letzten Monaten gelernt. Das, was mir wirklich fehlt, was „Zuhause“ wirklich bedeutet, sind meine Freunde und meine Familie. Mir fehlt, sie jederzeit in erreichbarer Nähe zu wissen. Sich das Fahrrad schnappen, zum Café ums Eck radeln und einen kurzen Kaffee mit meiner Freundin schlürfen, meine Nachbarn vor der Haustür treffen und sich über den neuesten Kiez-Tratsch austauschen, mit Mama und Papa Forellen räuchern oder einfach den ganzen Nachmittag mit meiner Schwester im Garten sitzen, die Beine der Sonne entgegen gestreckt, und meine Nichte beobachten, wie sie den Sandkasten gießt und sich die Matsche dann in den Mund steckt. Nicht dass ich das alles jeden Tag hatte, als wir in Hamburg wohnten, aber die Möglichkeit, alles das zu tun war nicht 2.580 Kilometer, 66 Stunden Fährfahrt und 200 Euro weit entfernt. Das vermisse ich und freue mich darauf, es wieder genießen zu dürfen. Bald.

 

Nachtrag von Jan:

Mein Heimweh ist dann eher kulinarischer Natur. Ich kann Pylsur, Burger und Pizza nur bedingt ertragen und mir fehlt einfach die Vielfalt. Eine Hacklatte vom Türken, einen Tintenfisch mit Chili und Basilikum vom Thai, einen Schweinebauch vom Koreaner, eine leckere vietnamesische Sommerrolle, ´ne Currywurst mit Zwiebeln, einfach frische Zutaten aus aller Welt und natürlich die gute, deutsche Hausmannskost. Was das Essen angeht, gibt es in Island für mich keine positiven Überraschungen. Und ich liebe und brauche gutes Essen. Was hier wirklich gut ist, ist Lamm und Fisch. Immer frisch. Die Lämmer grasen ihr kurzes Leben lang auf saftigen, unbelasteten Bergwiesen und genießen die Freiheit. Ich genieße sie ebenfalls - die Einöde, und komme sehr gut klar auf die quantitativ reduzierten menschlichen Begegnungen und den unendlichen Platz, den man hier genießt. Ich liebe weitestgehend alles, was Island für kreative, musikalische Menschen zu bieten hat und bin ein Freund der kurzen Wege. Denn hier kann man Ideen ohne viel Bürokratie einfach umsetzen. Ich vermisse kein St.Pauli und auch keine U-Bahn oder S-Bahn. Meine kleine Stammkneipe hingegen, könnte ich mir vorstellen nach Island zu importieren. Denn mal eben ein Bierchen trinken gehen, ist hier nicht so. Für soziale Kontakte geht man dann ins Schwimmbad oder auf Konzerte. Ist auch ok. Das täglich wechselnde Wetter, die unfassbaren Wolkenbilder und die riesige Sonne, der riesige Mond und gelegentliche Nordlichter, lassen die Landschaft in unserem Lieblingsfjord jeden Tag in einem anderen Licht erstrahlen. Man kann so wahnsinnig weit gucken und steckt nicht als einer von vielen in Häuserschluchten fest. Und wenn dann noch die Wale vor unserer Nase ihre Fontänen in die Luft schnauben, habe ich überhaupt keine Zweifel mehr, dass das hier für mich der Place to be ist. 

 

Jeep Tour 

Dank der freundlichen Elisabeth, flatterte ein weiteres Kooperationsangebot in unser E-Mail-Postfach. Der Reiseveranstalter Katla-Travel bot uns an, ein paar Tage das isländische Hochland mit einem Toyota Land-Cruiser zu durchstreifen. Die sogenannten isländischen F-Straßen kann man nämlich nur mit einem Allrad-Fahrzeug befahren. Unser alter Willi schafft das natürlich nicht. 

Also los, den Wagen abgeholt, Zelt und Schlafsack reingeschmissen und Montag vormittag Richtung Landmannalaugar gedüst. Das Fahrgefühl war sportlich. Wenn man sich sonst mit 20km/h   in einem 35 Jahre alten VW mit 102 PS und fünf Tonnen Gewicht den Berg hochprügelt, freut man sich ein bisschen über das zügige Vorankommen. In dem Örtchen Selfoss haben wir zwei Mädels am Straßenrand gesehen, die gerade dabei waren ihr Schild zu bemalen, dass sie dann raushalten wollten, um eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Dazu kamen sie nicht, weil wir einfach anhielten und fragten wo es hingehen soll. Zufälligerweise wollten sie exakt die gleiche Route nehmen wie wir und so verbrachten wir am Ende den kompletten ersten Tag mit ihnen. Wir haben Wasserfälle, Hobbitlandschaften und Mondgebiete durchquert, uns den ersten Reifen zerschossen und gelernt, wie man galant Flüsse und Furten durchquert. Der Campingplatz in Landmannalaugar glich bei unserer Ankunft einer matschigen Festivalwiese. Stundenlang fuhren wir durch das nichts, um dann hier wieder einer riesigen Herde Menschen zu begegnen, die sich in einem Waschhaus wie Schafe und Schweine an den Waschbecken aufreihten, hemmungslos furzten und sich die Fertignahrung aus den Zähnen bürsteten. So langsam hat man auch genug von Kurzzeittouristen. Da wir uns bis zu unserer Zeit in Hvammstangi immer auf Campingplätzen aufhielten, haben wir so langsam einen Overkill von selbsternannten Entdeckern und menschgewordenen Jack Wolfskins. So eine Atmosphäre konnten wir gar nicht gebrauchen, machten uns ein schnelles Essen, verzichteten darauf unser Zelt im Matsch aufzubauen, legten uns ins Auto und brachen um fünf Uhr am nächsten Morgen auf. Das hat sich gelohnt – denn die Morgenstunden in den Bergen haben eine ganz besondere Magie. Nicht nur die Magie der Einsamkeit, sondern auch die des Lichts und der Ruhe. Wir machten tolle Bilder und kamen nur selten aus dem Staunen über spiegelglatte Bergseen und die Landschaft heraus. Wir fuhren drei Stunden zwischen Lava, Seen, Flüssen, Schnee und Wiesen entlang und verfielen in tiefe Demut vor der Ursprünglichkeit dieser Vulkanlandschaft. Dieser Morgen hat uns Island noch mal ein ganzes Stückchen mehr ins Herz gebrannt. Nach einem Frühstück fuhren wir weitere drei Stündchen bis nach Vík, um in der dortigen Werkstatt unseren kaputten Reifen flicken zu lassen. Hilfsbereit, unkompliziert, fertig. Dem folgte ein kläglicher Versuch, sich nochmal eine Touristenattraktion – nämlich das Wrack der 1973 abgestürzten Douglas Super DC-3 aus Amerika - anzuschauen. Kurz geparkt und dann entschieden, dass wir einfach nicht gemacht sind für derlei Attraktionen. Aber einen Klassiker haben wir dann doch noch abgegriffen, nämlich die sprudelnden Geysire in dem gleichnamigen Örtchen Geysir. Ein besonderes Geothermalgebiet im sogenannten Golden Circle. Man trifft hier nicht nur heiße Quellen, sondern auch ganz viele Reisebusse und einen Souvenirshop, in dem isländische Luft in Dosen verkauft wird. What? Egal..weiterfahren nach Thingvellir, um mal zu schauen, wie es aussieht, wenn das Auseinanderdriften der amerikanischen und europäischen Platte einen wassergefüllten Graben hinterlässt. Ehrlich? Wie ein wassergefüllter Graben zwischen zwei Kontinenten, wobei die eine Seite aussieht, wie die andere. Man kann drin tauchen. Da wurde uns erzählt, dass sich das wirklich lohnt. Klarestes Wasser und beeindruckende Unterwasserlandschaften werden dem zahlungskräftigen Islandreisenden geboten. Aber da waren wieder so viele Leute, dass wir uns dachten, lieber noch ein paar einsame Stunden mit unserem liebgewonnenen Land Cruiser zu verbringen. Wir machten uns auf den Weg nach Thorsmörk, vorbei am Seljalandsfoss. Das ist der Wasserfall, bei dem man als Mitglied einer Menschenschlange hinter das fallende Wasser gehen kann, um einen Wasserfall von hinten zu fotografieren. So spannend wie ein Stück Toastbrot haben wir telepathisch entschieden und fuhren schweigend weiter Richtung der F-Straße, die uns neue landschaftliche „Wow´s“ entlockte. Viele, viele Furten durchquerten wir mittlerweile professionell und krochen mit durchschnittlich 30km/h die steinige Piste für ca. 50km voran. Am Ende dieser Fahrbahn liegt ein idyllischer Campingplatz. Die letzte Furt allerdings war ein reißender Fluß, den wir selbst mit unserer Land-Cruiser Kampfmaschine nicht durchqueren konnten. Nur wirklich hohe Monster-Jeeps schaffen diese letzte Hürde bei diesem Wasserpegel. Naja, da mussten wir doch glatt wieder umdrehen, haben noch einmal Riesen-Furten-Spaß gehabt und haben die Nacht auf dem Campingplatz Langbrok verbracht, den wir aus dem Mai schon kannten. Am nächsten Tag war diese wunderschöne Tour auch schon vorbei und wir waren wieder in Reykjavik. 

 

Die Bilder von unserer Jeep-Tour gibt es hier & das Video hier

 

Reykjavík

Vorgestern kamen wir nach einem schönen und erfolgreichen Wochenende wieder in Hvammstangi an. Drei Tage lang waren wir mit dem Auto einer Freundin in Reykjavík unterwegs, um Freunde, Bekannte und Musiker zu treffen. Ein ordentliches Programm, schön und arbeitsintensiv. Sonnig und bunt. Unser Freund Breki räumte extra sein Zimmer und zog ins Obergeschoss zu seiner Mutter, damit wir einen Platz zum Schlafen hatten. Wie süß ist das bitte? Das ganze Wochenende über hatten wir ziemlich viel Spaß und bekamen sogar eine kleine, kostenlose Nachhilfestunde in Isländisch. So langsam wird das was. Wobei Jan mit Abstand an mir vorbei zieht. Egal wo wir sind, er quasselt immer einfach drauf los und verlässt sich darauf, dass die Isländer ihn verstehen und im Notfall verbessern. Das funktioniert fantastisch. Ich bin da etwas „schüchterner“. Und doch: Manchmal traue ich mich sogar schon einen „Kaffi“ zu bestellen. Wusstet ihr, dass die Isländer nicht „Einen Kaffee, bitte“, sondern immer „Einen Kaffee, danke“ bestellen? Ich finde, in diesem kleinen Satz spiegelt sich die Mentalität dieser wunderschönen Insel perfekt wider. Um etwas bitten ist doch gemeinhin lediglich eine Höflichkeitsfloskel, die wir dazu verwenden, andere Menschen aufzufordern, etwas für den eigenen Nutzen zu tun, während Dankbarkeit bzw. das „Danke“ in „Kaffi, takk“ dem Gegenüber schon während der Bestellung ein gutes Gefühl zu geben vermag. Gefällt mir irgendwie.

Unseren Freitag widmeten wir dem Melodica Festival in Reykjavík. Vor einiger Zeit hatten wir für unsere Freunde und Organisatoren vom Melodica das Crowdfunding-Video gedreht und freuten uns jetzt natürlich mit ihnen, dass sie ihr Fundingziel erreicht und mit dem gesammelten Geld den ausländischen Musikern die Flüge bezahlen konnten. So waren Publikum und Acts im KEX Hostel international, bunt zusammengewürfelt und zufrieden. 

In Reykjavík trafen wir auch Ólafur wieder und verbrachten mit ihm (mal wieder) einen fulminanten Abend. Nachdem wir alles Musikalische für die nächsten Wochen (noch geheim) besprochen hatten, widmeten wir uns dem privaten Teil des Abends und spielten „Guilty pleasures“. Was zur Hölle ist „Guilty pleasures“? Hier die Spielregeln: Mann und Frau setzen sich gemütlich mit einem Getränk der Wahl an einen Platz der Wahl. Aufgeschlossen sollte man sein, bereit sich zu öffnen. Gebraucht werden ein Computer, wahlweise auch ein Handy, eine Internetverbindung, ein Musikprogramm (Youtube, Spotify etc.) und eine gehörige Portion Mut. Im Uhrzeigersinn spielt man sich nun seine Lieblingssongs vor. Doch nicht irgendwelche. Nein. Man nehme diejenigen, die man selbst richtig klasse, berührend und aufregend findet, andere Menschen aber grundsätzlich nur mit einem Naserümpfen bedenken. Weil sie die Songs peinlich, komisch oder musikalisch nicht wertvoll finden. Man selbst weiß das natürlich und hat seine „Guilty pleasures“ deshalb bisher geheim gehalten. Ein großartiges Spiel, bei dem man eine Menge zu lachen hat.

Am Samstag trafen wir Haukur (Dikta) wieder, der uns beim letzten Treffen mit der Band ausführlich von seiner Liebe zu Fritz-Kola berichtet hatte. Zufälligerweise war in der Zwischenzeit eine Freundin aus Island in Deutschland gewesen und hatte uns vier Flaschen des braunen Getränks mitgebracht, das wir ihm nun überreichen konnten. Ist irgendwie witzig, wie sich manche Menschen über Kleinigkeiten freuen können.  

 

Hvammstangi

Beflügelt und bepackt mit frischem Ton-, Foto- und Videomaterial ging es dann also zurück in unsere Homebase Hvammstangi. Hier haben wir ja in letzter Zeit schon einiges erlebt. Wer ab und an mal auf unsere Homepage oder Facebook-Seite reinschnuppert, kennt bereits Jóhann, mit dem wir ein zauberhaftes Musikvideo gedreht haben und auch unseren kleinen Zusammenschnitt vom Norðanpaunk. Doch auch ganz private schöne Momente erlebten wir hier. 

Letztens waren wir auf einem Minifestival an der Spitze des Fjords und wohnten einer waschechten Island-Scheunenparty bei. Mit Stall, Heu, Holzbänken und Island-Pullis so weit das Auge blicken konnte. Unsere Freunde aus dem Ort gaben hier ein tiptop Cover-Konzert mit schmissigen Hits von Nirvana und Co. 

Mittlerweile sind wir hier eine richtige kleine Familie. Wir verbringen viel Zeit miteinander, gehen reiten, in hotte Hot Pots, veranstalten schnuckelige Grillabende und spielen mittlerweile sogar Volleyball im Dorfverein. Auch Landrover-Rolf und Jan-Erik mit seinem Wohnwagen schauen ab und zu vorbei. Letzte Woche haben wir symbolisch für unsere wachsende Familienbande einen Stachelbeer-Strauch im Garten gepflanzt. Auf das er genauso wächst und gedeiht wie wir.

  

Hier geht´s zum Video-Log Nummer #9

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Warum Island uns jeden Tag zum Tanzen bringt / Why Iceland makes us dance, every day

Vor genau vier Monaten saßen Jan & ich in unserem vollgepackten Willi in ‪#‎Hamburg‬ an der Alster, waren tierisch aufgeregt und gespannt wie Flitzebögen, was uns wohl auf ‪#‎Island‬ erwarten würde. Wir hatten lediglich zwei Telefonnummern von isländischen Musikern in der Tasche und ebenfalls zwei Facebook-Bekannte, die uns auf Island einen Platz zum Schlafen oder Wäsche waschen anboten. Das war das, was wir wussten, was wir sehen und anfassen konnten. Doch insgeheim war da noch etwas anderes, etwas viel bedeutenderes, das uns eigentlich erst losfahren ließ: Der Wunsch und der Mut, Dinge einfach zu machen, Menschen zu begegnen, aus eigener Kraft zu schaffen, kreativ zu sein und das Leben, die Arbeit und die Freuden so zu nehmen, wie sie den Weg zu uns finden. Keine Angst zu haben vor dem Neuen, sich trauen frei zu sein. Aus diesem wunderbaren Gefühl heraus ist schon in der zweiten Woche auf Island unser "I just wanna dance"-Video entstanden und man sieht uns an, dass wir uns mit unserer Entscheidung mehr als wohl fühlen. Immer noch. Und deshalb tanzen wir heute wieder. Doll! ♥

 

Exactly four months ago Jan and I sat in our packed Willi in Hamburg and were excited like little children of what will expect us in Iceland. We only had two telephone numbers of Icelandic musicians in our bags and as well two facebook contacts, that offered us a place to stay and a free wash. That was everything we already knew, everything we could see and grab. But there was something else, something even more important, that helped us to realize our idea: A big wish and a lot of courage, just to do things, meet people, to built thíngs with our own strength, being creative and to take the life, the work and the happiness just how they find their ways to us. Not being afraid of things and dare to be free. Because of this wonderful feelings our song „I just wanna dance“ developed in the second week after our arrival in Iceland and you can see, that we are more than satisfied with our decision. Still. That´s the reason why we dance again, today. Terrific! ♥

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Norðanpaunk 2016 - Festival in Laugarbakki

Wir waren auf dem einzigartigen Norðanpaunk-Festival 2016 in Laugarbakki. Ganz in der Nähe von Hvammstangi im Nordwesten Islands. Hier trifft sich an drei Tagen, immer zum Ende Juli, das meiste an Punk- und Metalbands, was in Island so stattfindet. Das schöne an dem Festival ist, dass es ganz bewusst unkommerziell ist. Verzichtet wird auf große Headliner, Sponsoren und Bierverkauf. Und das zu Gunsten einer wirklich zauberhaften Veranstaltung. Also, Dosenbier in die Tüte und hin da. Dann wäre da noch Regina, die an diesem Wochenende das harte Los zog, da ihre Wohnung direkt unter der Bühne liegt. Aber es ist ja nur ein Wochenende und das hat sie wohl ganz tapfer gemeistert, wie man uns sagte. Wir haben mit dem Organisator des Festivals, dem lieben Àrni, ein langes Interview über die Punk- und Metalszene in Island geführt und haben darüber sehr viel erfahren können. Der Hintergrund-Song dieses Videos ist von der Hardcore-Band "Great Grief", die ihr auch in dem Video seht. Schaut mal rein in diese kleine Zusammenfassung und sagt uns, was ihr davon haltet. Wir grüßen euch! 

Euer Jan

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Armdrücken mit Dikta

Armdrücken mit der Band "Dikta"...aber auch sonst hatten wir gestern einen fulminanten Abend mit den Jungs und haben neben dem Talk über Island´s Musik, Fragen wie: "Wie heißt dieses braune Getränk aus Düsseldorf?", "Wie verläuft man sich in Ratingen?" und "Wer zur Hölle ist Matthias?" erörtert. Warum, wieso? Bald mehr...Doch jetzt erstmal ab ins wohlverdiente Wochenende!! Nächste Woche geht´s dank Unterstützung von Katla Travel mit dem Jeep ins Hochland.

Grüße aus Reykjavik - J&M

 

Armwrestling with "Dikta"..but apart from this we had a blast with these guys yesterday evening. Besides our talk about icelandic music we discussed questions like: "What is the name of this brown drink they have in Düsseldorf?", "How to get lost in Ratingen" and "Who the hell is Matthias?". Why? More soon...But now we will celebrate our well-deserved weekend!! Next week we will go to the Highland...Thanks to Katla Travel for providing a 4-wheel-drive.

Greetings from Reykjavik - J&M

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Chapter #8 - Islands Norden Und wie wir uns in Hvammstangi heimelig fühlen

Hvammstangi ([kwammstangi]). Hierher hat uns unsere Suche nach Ruhe, neuen Erfahrungen und guter Musik geführt. Ein kleines, süßes Städtchen im Norden Islands, mit 600 Einwohnern. Auf den ersten Blick hält Hvammstangi im Sommer Winterschlaf, möchte man meinen, um im nächsten, ehrlicheren Moment als kunterbunte Wundertüte verkleidet zu explodieren. Ein ereignisreiches, musikalisch-kreatives und gesellschaftliches Leben pulsiert hier hinter den Kulissen, die dem Roadtrip-in-10-Tagen-Touristen (leider, ob der verpassten Gaudi, oder zum Glück für die intakte Dorfgemeinschaft, ich kann mich nicht entscheiden) entgehen. Ob das auf dem Land überall so ist? 

 

Aller Anfang ist ziemlich schnell gemacht

Wir wurden in Hvammstangi jedenfalls empfangen von einer unsäglichen Natur (immer wieder denkt man hier in Island, dass es schöner gar nicht geht, und jedes Mal aufs Neue muss man sich eingestehen, dass man mal wieder falsch lag), recht sommerlichem Wetter und zwei kleinen Kaffeeklatsch-Terminen mit deutschen Frauen, die vor einiger Zeit nach Island ausgewandert sind und uns schon in Deutschland kontaktiert hatten. Ziemlich gute Kombination. Und auch dieses Mal hatten wir schon nach einem ersten Treffen mit ansässigen Leutlein den Grundstein für zwei wundervolle Wochen mit musikalischen Ereignissen gelegt. Gleich am nächsten Tag sollten wir nämlich Silli treffen. Silli ist so etwas wie die Exekutive für Musik in Hvammstangi. Er ist Gründer eines Kulturforums, Tonmensch für viele isländische Bands und selber (wie sollte es auch anders sein?) Musiker. Er ist Organisator, Multiplikator,  Selbermacher für alle musikalischen Belange und im Ort bekannt wie ein bunter Hund. Und obendrein noch unfassbar nett und engagiert, Menschen zusammenzubringen. Mit einer handvoll Telefonnummern, Namen (die wir immer noch nicht richtig aussprechen können, shame on us) und Ideen in der Tasche fingen wir also an, uns in Hvammstangi vorzuarbeiten.

 

Oskar – Rockstar seit immer

„Ich kenn` da jemanden, den müsst ihr unbedingt treffen“, beschwor uns Silli. So ging das mit Oskar los. „Oskar wollte in seinem Leben nichts anderes, als Rockstar werden. Und er hat in seinem Leben eigentlich alles erreicht, außer dass er tatsächlich Rockstar geworden ist.“ In Sillis Erzählungen klang das witzig, skurril und sogar ein bisschen traurig zugleich. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, was uns erwarten würde, wenn wir diesen Oskar träfen. Wir wussten von Silli, dass er total aufgeregt war, weil wir ihn interviewen wollten. Alle anderen Gefühle zu diesem Treffen waren eher diffus. Die Fahrt zu Oskars Farm auf der anderen Seite des Berges passte jedenfalls schon mal zur leicht schrägen Gesamtsituation. Willi musste ziemlich hart arbeiten, um die Schotterstraße bergauf und bergab halbwegs schweißfrei zu überstehen und zwischendurch mussten wir immer wieder anhalten, um tiefkriechende Wolken am Fuße von Berghängen, die wie verirrte Nebelschwaden aussahen, zu fotografieren. Was die Natur hier zaubert, habe ich in meinem Leben nicht gesehen. Irre. Und manchmal gruselig gleichermaßen. Noch am See, Hunderten Schafen, Islandpferden und einer Menge Nichts vorbei und dann sollte rechts Oskars Farm liegen. Sagte uns jedenfalls die Karte voraus, in der alle kleinen Farmen in der Umgebung eingetragen waren und die wir zu diesem Zwecke glücklicherweise gefunden hatten. Mit Google Maps ist man hier verloren. Die Farm entpuppte sich als ein graues, verwittertes Haus mit anliegender ebenso liebesbedürftiger Scheune. Es wuchs zweistöckig aus dem Nichts. Die Zufahrt zur Farm schien unendlich zu sein. Kribbeln im Bauch. Parken. Motor aus. Durchatmen, aussteigen.

Und dann waren wir da und alles war ganz anders als wir uns das vorgestellt hatten. 

Zu unser Überraschung war es nicht der in unseren Köpfen ominös zurechtgedachte Oskar, der als erster aus der Tür trat, um uns zu begrüßen, sondern zwei kleine Mädchen mit blonden Zöpfen. Zwillinge mit roten Pullovern und lila Ohrenwärmern. Erstaulich, wie ein winziger Moment alles wegwischen kann, was sich in den vergangenen 45 Minuten in den Köpfen von Menschen abgespielt hat. Auch Oskar war ganz anders als wir ihn uns vorgestellt hatten. Jünger, vitaler und wesentlich cooler, als gedacht. Drei Stunden saßen wir mit ihm zusammen, tranken Kaffee, interviewten ihn, sahen uns mit ihm seine Schafschädelprodukte an und hatten eine ziemlich gute Zeit. Oskar ließ uns an vielen Stückchen seines vergangenen Lebens teilhaben und erzählte mit Inbrunst von seiner Liebe zur Rockmusik der 80er. Vieles von dem, worauf Silli uns versucht hatte vorzubereiten, war wirklich so, und im gleichen Zuge doch ganz anders, jetzt wo wir es von Oskar persönlich hörten. Tatsächlich hatte Oskar alles dafür getan, Rockstar zu werden. Die drei Topoi Sex, Drugs und Rock´n Roll waren sein Gesetz. Kennt man ja. Allerdings beschränkte Oskar sich beim Rock´n Roll darauf, Konzerte zu besuchen, anstatt selbst welche zu geben und zum Ausgleich die beiden ersten Lebensweisheiten umso intensiver zu befolgen. Mit dem Ergebnis, dass das mit dem Musizieren Oskars Meinung nach irgendwie nie so richtig irgendwo hingeführt hat. Aber eine Band hat er und ja, sie hätten im letzten Jahr einige Songs aufgenommen. Schüchtern war Oskar, als wir ihn nach einer kleinen, musikalischen Live-Einlage fragten, er zierte sich richtig. Jan und ich ahnten Schlimmes und überlegten uns insgeheim schon, wie wir möglichst diplomatisch gucken konnten, wenn uns das, was wir da zu hören bekamen, nicht gefiel. Mittlerweile war Oskars Freund und Bassist seiner Band Halli eingetroffen und brachte zwei Songs mit, die wir uns statt der Live-Performance anhören sollten. Gefasst auf das, was da kommen sollte, setzten wir unsere nettesten „Ist-doch-gar-nicht-so-schlecht“-Gesichter auf und... Unsere Kinnladen klappten runter. Scheinbar hatten Oskar und Halli das mit dem Rock´n Roll doch irgendwie verstanden und litten lediglich unter völliger Selbstunterschätzung. Das war astreiner Blues-Rock.  Keine Frage. Fette Riffs unterlegten Oskars Südstaaten-Stimme und der Groove nahm uns sofort mit. Kann man nicht meckern und muss man gut finden. Fanden wir. Alles richtig gemacht, Oskar. Vielleicht musstest du die Frauen und Drogen erst hinter dir lassen und eine kleine zuckersüße Familie gründen, um deepen Shit zu machen. 

 

Eldur í Húnaþingi, Kunstfestival

Langsam müssen wir wirklich einsehen, dass die musisch-kreative Bildung hier auf einem ganz anderen Niveau ist als in Deutschland. Oder mit Jan`s Worten: „So gut, wie dieser Hühnerbauer singt, damit würden die Leute in Deutschland schon denken, dass sie berühmt werden und hier sind sie einfach nur singende Hühnerbauern.“ 

Dieser besagte Hühnerbauer existiert wirklich. Und gesehen haben wir ihn beim Kunstfestival in Hvammstangi. Das alljährlich stattfindende viertägige Festival hatte einiges Musikalisches zu bieten und dieses Jahr waren wir mittendrin. Wir haben uns Sillis Band „Kamp Knox“ angeschaut, die das erste Mal seit zehn Jahren einen Gig hatten (und sich dafür außerordentlich gut schlug), ein zauberhaftes Konzert in einem Vulkankrater besucht und beim Mello Musika, dem Abend für die lokale Musikszene, eben jenen Hühnerbauern namens Skúli, der gemeinsam mit seiner Tochter musizierte, bestaunen dürfen. Und irgendwie kam es, dass Jan auch gefragt wurde, ob er aufspielen will. Er konnte Oskars Bandkollegen Halli an der zweiten Gitarre gewinnen und zusammen spielten sie drei Songs von Jan vor isländischem Publikum. Die Atmosphäre war wunderbar. Es fühlte sich an, als wären wir tatsächlich angekommen. Wir saßen da (ich im Publikum und Jan auf der Bühne) zwischen den Menschen aus Hvammstangi, überwiegend Isländern, und genossen gemeinsam einen Abend mit Hühnerbauer Skúli, der Musiklehrerin, die auf der Bühne Teil eines A capella-Quartetts war, dem Typen aus der Wollfabrik, der jetzt den Abend moderierte und dem Gitarristen, der die Tage normalerweise auf seinem Fischkutter verbringt. Richtig wohlig und ein bisschen wie Heimat hat sich das angefühlt. Wir gehörten dazu und niemand fand das komisch. Auch am nächsten Tag nicht, als wir uns wie alle anderen beim Familientag in die wartende Schlange einreihten, um uns kostenloses Lammfleisch und Kartoffelsalat abzuholen. Herrlich.

 

Akureyri

Weil wir Besuch aus Deutschland super finden (ich glaube, ich erwähnte das bereits), mussten wir zwischendurch unbedingt nach Akureyri, denn Jan`s Kumpel und ehemaliger Bandkollege Malte spielte dort mit seiner Deep Purple Tribute Band. Also rein in Willi und ab auf einen kleinen Ausflug. Akureyri ist richtig schnuckelig. Hier findet man überall die kleinen, süßen und bunten Holzhäuschen, die man romantisiert mit Island in Verbindung bringt. Dazu gibt es einen schönen Hafen und dahinter die Berge. Außerdem habe ich auf dem Weg dorthin meine neue Lieblingslandschaft auserkoren. Der Norden Islands ist einmalig!

Wir hatten eine ziemlich gute Zeit mit Malte und auch am nächsten Tag, als wir das Konzert der Band „Sniglabandid“ besuchten. Diese Band feiert mittlerweile 30-jähriges Bühnenjubiläum und ihre Mitglieder sind somit wirklich alte Hasen der isländischen Musikszene. Das war wieder einer der „Die müsst ihr unbedingt treffen“-Tipps von Silli (der by the way ihren Ton machte) und auch das lohnte sich. Leider lag ich am nächsten Tag, als Jan den Sänger Skúli in seiner Musikscheune besuchte, mit einer fetten Erkältung flach, aber die Videos sprechen für sich. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Cooler Typ mit einer noch cooleren Location. Zu guter Letzt trafen wir uns noch mit Tanja von teilzeitnomaden.de. Irgendwie sind wir über Facebook gegenseitig aufeinander aufmerksam geworden, wollten uns schon in Reykjavík treffen, haben uns verpasst und den Kaffeeklatsch dann in Akureyri nachgeholt. Tanja umrundet Island mit dem Rad für einen guten Zweck. Das gespendete Geld, das während ihrer Reise zusammenkommt, fließt einer Institution zu, die Kinder von krebskranken Erwachsenen aufnimmt und psychologisch und therapeutisch betreut. Eine tolle Aktion, die wir mit Soundtracking gerne unterstützen. 

 

Und sonst so?

Wir genießen das Leben! Und wir lieben unsere Arbeit. Es fühlt sich so richtig an, selbst zu entscheiden, wie wir die Dinge angehen und zu sehen, dass es funktioniert. Wir bekommen wunderbare Rückmeldung von Menschen, die uns auf unterschiedlichen Kanälen des WWW verfolgen, von Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, von Außenstehenden, die wir auf unserer Reise kennenlernen und das macht uns jeden Tag glücklicher. In unserer Freizeit gehen wir angeln, stricken, wandern, reiten, halten hier und da ein Pläuschchen und freuen uns darüber, dass wir den Schritt nach Island getan haben. Wir fühlen uns einfach pudelwohl hier. Island und sein Völkchen machen es einem wirklich leicht, sie zu lieben.

 

Hier geht`s zum Video-Diary #8

 

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Jan´s zweites Konzert in Island

Gestern hatte ich mein zweites Konzert in Island. Das erste Mitte Juni in Reykjavik bei unserer selbst organisierten Open-Mic Session auf dem Campingplatz. Das gestrige Event war da schon etwas offizieller. Im Rahmen des Eldur í Húnaþingi Festivals in Hvammstangi, hatte ich die Möglichkeit beim Melló Músíka Event teilzunehmen. Circa 10 verschiedene Acts enterten die Bühne. Darunter Hühnerbauern, klassisch ausgebildete Musiker oder einfach Menschen, die Spaß an Musik haben. Wir sind immer wieder erstaunt, in was für einer makellosen Qualität die Isländer musizieren können. Deswegen habe ich zwecks Verstärkung an der 12-saitigen Gitarre unseren Freund Halli Arason gefragt, ob er mich begleitet. Mit zwei Proben haben wir meine in Island geschriebenen Songs für zwei Gitarren arrangiert und ein schönes Konzert abgeliefert. Halli ist Fischer und spielt nebenbei in zwei Bands. Lost Performance aus Island und in einer Metal-Band aus Schweden. Richtig schön ist es festzustellen, wie Musik letztendlich verbindet und wir in so kurzer Zeit in dem kleinen Städtchen Hvammstangi (600 Einwohner) so viele, tolle Menschen kennengelernt haben und schon selber fast zum Interieur dieser am Fjord gelegenen Gemeinde gehören. Nächste Woche wird hier noch mehr Musik gemacht, mit Johann zum Beispiel. Mit ihm werde ich einen isländischen Song spielen und aufnehmen, bevor wir noch das Norðanpaunk-Festival in Laugarbakki besuchen. Ein richtiges Punk-Festival. Mal gucken, was Islands Punkszene so zu bieten hat. Danach geht´s weiter nach Reykjavik, wo ich die Band Nátthrafnar bei deren Show im Loft-Hostel am Bass und am Gesang untertstützen darf. Volles Programm dieser Tage. Ich liebe dieses Land!

 

Bestu kveðjur,

euer Jannemann

 

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Chapter # 7 - Wie Island Fußball macht und wir irgendwann trotzdem "bless bless" sagen mussten

Schon sind wieder fast drei Wochen um, seit ich den letzten Blog-Eintrag geschrieben habe. Einfach irre. Die Zeit vergeht hier wie im Flug, mir nichts dir nichts sind einezweidrölf Wochen um und so richtig merken wir das gar nicht. Hoffentlich wird die Zeit bald wieder ein bisschen langsamer, sonst müssen wir wirklich schon quasi übermorgen nach Hause. Und das wäre irgendwie doof. Denn es scheint mir fast, als würde es immer schöner hier.

 

Wo war ich denn beim letzten Mal stehen geblieben? 

Achja, unser bester Olli ist wieder zurück nach Hamburg gereist. Jan und ich sind geblieben. Und klar war das ein bisschen traurig, aber ehrlich gesagt habe ich mich schon so auf unseren nächsten Besuch gefreut, dass die Traurigkeit sich nur in einem kleinen Seufzer äußerte. Meine langjährige Freundin Sandy war im Anmarsch und das hat mich richtig kribbelig gemacht. Erstens weil sie meine ganz alleine Freundin ist (auch wenn Jan und sie sich auch sehr mögen) und zweitens –  das hatte dann eher so einen sozialen, gemeinschaftlichen Grund – weil wir dann endlich wieder Siedler spielen konnten. Siedler? Ja, genau. Ich war eigentlich nie der große Gemeinschaftsspiele-Spieler. Früher konnte es einfach niemand mit mir und zum Beispiel Monopoly zur gleichen Zeit aushalten, denn Verlieren hat mich zu einer kleinen Hexe werden lassen, außerdem habe ich die meisten Spiele überhaupt gar nicht spielen können, weil ich mich beim Spielregeln-Erklären höchstens fünf Minuten konzentrieren wollte und somit nie genau wusste, wie das Spiel eigentlich gespielt wurde. Aber Siedler hat mich gepackt. Ganz ehrlich. Auch wenn ich verliere. Wieder ganz ehrlich.

Auf jeden Fall habe ich mich irrsinnig gefreut, bekannte Gesichter um mich zu haben und Zeit mit einer Freundin zu verbringen. Jan und ich stellen hier auf Island erst richtig fest, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass einem die Freunde immer folgen, egal wohin es einen verschlägt.

 

Wenn ich jetzt so an die letzten Wochen zurückdenke, gab es so einige Dinge, die ich früher nie gemacht habe bzw. hätte und neuerdings fast schon genießen kann. Ganz oben auf dieser Liste (ich schätze fast an erster Stelle) ist Fußball schauen. Ja, ich weiß, wenn man so etwas sagt, macht man sich meistens keine Freunde, denn Fußball ist für die meisten quasi so obsolet wie Politik, aber wenn es denn nun einmal so war... Seitdem ich denken kann, boykottiere ich Fußball. Die Gründe seien dahingestellt, denn das wirklich wichtige an dieser Geschichte ist (vielleicht nicht so wichtig, aber bemerkenswert), dass ich völlig, und ich meine absolut freiwillig zu einem Public Viewing gegangen bin. Und wisst ihr was? Ich habe es keine Sekunde bereut. Nicht unbedingt wegen des Fußballs an sich, so schnell bin ich dann doch nicht von meinen Prinzipien abzubringen, sondern wegen der vielen kleinen und großen GänsehautSpannungFröhlicheGesichter-Atmosphäre-Momente. Und das lag nicht zuletzt an diesen unfassbaren Wesen, die hier leben. Im Spiel Frankreich gegen Island hatten die Isländer spätestens nach der Halbzeit eigentlich gar nichts mehr zu lachen oder zu feiern, dachte ich mir mit meiner deutschen Mentalität und war fast schon ein bisschen traurig, dass ich nun keine Möglichkeit bekommen würde, die Isländer mal richtig ausflippen zu sehen. Ganz ehrlich? Wie beschränkt von mir... Ich musste nur einmal den Blick über die Menge vor dem riesigen Bildschirm gleiten lassen und konnte trotz des bedrückenden Spielstandes von 4:0 eine zwei mal zwei Meter große, unbehelligte Frankreich-Fahne inmitten der mit rot-weißen Kreuzen geschmückten Menge sehen. Und nach jedem Tor klopfte mindestens ein Kreuz einem Baguette auf die Schulter. Richtig gerührt hat mich das. Allerdings war das noch gar nichts im Vergleich zu dem, was nach dem Spiel passieren sollte. Vielleicht hat der ein oder die andere meine – ich gebe zu etwas verwackelten – Live-Videos bei Facebook verfolgt? So viel Liebe, Party und erhabene, mutmachende Gesänge habe ich in meinem Leben noch nie gesehen, wenn die eigene Mannschaft verloren hat. Mit verlorenen Fußballspielen verbinde ich normalerweise eine Bandbreite von enttäuschten Menschen, die manchmal nur ihre Schultern hängen lassen und ein oder zwei Tränchen verdrücken, bis hin zu den wirklich abscheulichen Krawallmachern, die ihren Frust an anderer Leute Eigentum oder im schlimmsten Fall an den gegnerischen Fans auslassen. Nichts dergleichen in Reykjavík. Downtown Reykjavík hat ihre Mannschaft gefeiert, besungen und bestaunt, als wären sie die Sieger. Und das waren sie ja irgendwie auch. Sieger der Herzen. Nicht zuletzt wegen der couragierten Attitüde der isländischen Nationalmannschaft, die Frankreich den Sieg und sich selbst eine faire Teilnahme mit unsäglichem Support der eigenen Leute gegönnt hat. Solch ein Fußball kann sogar mir gefallen.

 

Soundtracking : Iceland. Auch da war wieder einiges los.

Ein kleiner Durchbruch – würde ich jetzt einfach mal so nennen, ohne Jan gefragt zu haben – war unsere kleine Open Mic Session, die wir auf der Reykjavík Campsite organisiert haben. Und das hatte einen besonderen Grund: In den letzten Wochen habe ich ja immer fleißig davon berichtet, dass Jan, nach kurzen Anfangsschwierigkeiten, einiges Musikalisches zusammengeschrieben und aufgenommen hat. Das war nicht wirklich etwas Neues für ihn, allerdings stand er bisher noch nie mit seinen eigenen Songs ganz allein auf der Bühne. Für mich als Freundin – und ich gebe zu, ich bin nicht ganz unbefangen – war das etwas ganz Besonderes. Zu sehen, wie sich die Songs im Laufe unserer Reise entwickelt haben, welche Kämpfe Jan mit ihnen ausgefochten hat und wie er letztendlich so zufrieden mit ihnen sein konnte, dass er andere Menschen daran teilhaben ließ. Schon wieder gerührt. Ich.

Beim Open Mic haben wir auch Ólafur wiedergetroffen, den wir einige Wochen zuvor schon einmal Zuhause besucht hatten, weil er uns als begnadeter Sänger angepriesen wurde. Wie sich herausstellen sollte, fanden wir seine Sangeskünste großartig. Sie hatten diesen speziellen isländischen Sound, zumindest das, wir uns darunter vorstellen. Also musste eine erste Aufnahme her, die ihr sicher schon bei Facebook oder auf unserer Homepage gefunden habt. Zusammen mit Jan spielte Ólafur das zauberhafte Lied „Glerperla“, was tierisch traurig und hoffnungsvoll zugleich klingt. Ich denke, wir haben da einen richtigen Glücksgriff gemacht und werden den Song in den nächsten Wochen noch einmal in Studio-Qualität aufnehmen, sodass ihr euch auf Ólafur als unseren ersten richtigen Musikact für das Album freuen dürft.

In Reykjavík hat es sich derweil in Musikerkreisen so langsam herumgesprochen, dass es uns gibt und so kommt es, dass uns immer mal wieder Menschen fragen, ob wir nicht Lust hätten, neben unserer eigentlichen Arbeit für Soundtracking : Iceland mit ihnen zu kooperieren. Vor einiger Zeit haben wir schon das „Sofar Sounds“-Happening gefilmt und vor zwei Wochen wurden wir dann von den fantastischen Menschlein vom „Melodica“-Festival angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, ihre Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen, indem wir mit ihnen das Promotion-Video drehen. Da wir selbst wissen, wie unglaublich aufwendig eine Crowdfunding-Kampagne ist und wie dankbar wir für Hilfe von Freunden und Bekannten waren, haben wir uns diesen Spaß nicht entgehen lassen. Entspannte und lustige Dreharbeiten waren das mit Melina (Festival-Organisations-Biene aus Hamburg und vor einigen Jahren nach Reykjavík ausgewandert) und den Musikern Pete Uhlenbruch und Svavar Knútur.

Wir haben in den letzten Wochen auch wieder fleißig Konzerte besucht. Unter anderem von der isländischen Band Samaris, aber auch ziemlich abgefreakter Syrer, der scheinbar von Björk total abgefeiert wird,  kam uns vor die Linse. Unser Vlog reißt das Spektakel kurz an.

Und dann haben wir den Produzenten und Musiker Petur Ben für unser Projekt begeistern können und ihn einmal nach seinen Eindrücken zur isländischen Musikszene gefragt. Wegen seiner Zusammenarbeit mit vielen tollen isländischen Musikacts wie „Valdimar“ und „Mugison“ und das Komponieren der Filmmusik des isländischen Filmklassikers „Metalhead“ war das Interview mit ihm eine gute Ergänzung zu unseren Interviews mit den Musikern der Insel und wird sicher eine große Bereicherung für unsere geplante Dokumentation.

 

Nachdem wir mal wieder drei Wochen fast ununterbrochen gearbeitet hatten, ohne Wochenende und bis zu zwölf Stunden täglich, packte es uns letzte Woche dann ganz plötzlich. Dieses Gefühl ploppte auf. Gummibandeffekt nenne ich es liebevoll. Um es kurz zu machen: wir wollten, wir mussten weg. Wir wurden von anderen Orten angezogen und von Reykjavík aus Erholungsgründen abgestoßen. In Reykjavík Pause machen kam einfach nicht in Frage, denn letztendlich ist dort einfach viel zu viel los, was uns immer wieder in seinen Bann zieht. Nein, wir mussten fahren. Wir hatten soweit alle Termine erledigt, die nächsten, schon festgesetzten Treffen werden erst Anfang August stattfinden. Also rein ins Auto und ab in Richtung Norden. Nächstes Ziel: das kleine Städtchen Hvammstangi, von dem wir über Facebook schon vor unserer  Reise nach Island erfahren hatten. Hierhin wurden wir eingeladen und schon darauf vorbereitet, dass es einiges musikalisches zu erfahren gibt. Dazu aber erst beim nächsten Mal mehr. 

Bevor wir nämlich überhaupt an weitere Arbeit dachten, kam die Erholung. Und mittlerweile wisst ihr ja vielleicht, was das für uns bedeutet. Huschhusch in die Natur. Ganz schnell. Und die ist besonders schön, wenn es Richtung Westfjorde geht. Auf einem klitzekleinen Campingplatz, auf dem nur wenige und fast ausschließlich isländische Menschen waren, hielten wir an, legten uns ins Bett und ruhten. Die Strapazen wegschlafen. Und die Anstrengung entspannen. Stille, Berge, Bäche, Lava und unser erster Natur-HotPot. So kann man sich erholen. So kann man sein.

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Chapter #6 - "Nolli Nature" in Snaefellsness

Hallo Mama, hallo Papa, hallo ihr alle! Uns gibt es noch! Nach gefühlten drei Jahren schaffen wir es endlich wieder, einen neuen Vlog rauszuhauen und freuen uns riesig darüber, unsere schöne Wandertour mit euch zu teilen. Der Vlog steht dieses Mal unter dem Motto: „Nolli Nature“. Was das heißen soll? Vielleicht kommt ja jemand von euch darauf? In unserem Blogbeitrag finden sich sicher einige Tipps, wenn es später um unsere Wandertour geht.

Doch am besten, ich fange heute etwas weiter vorne an, denn es hat ja einen Grund, warum ihr so lange auf einen ausführlichen Bericht warten musstet. Auch wenn ich Gefahr laufe, mich ständig zu wiederholen: wir hatten mal wieder unfassbar viel zu tun.

Vor allem musikalisch ist einiges vorangegangen. Diejenigen unter euch, die uns auch über FacebookTwitter oder Instagram fleißig folgen, haben sicher schon einige Interviews gesehen, die in den letzten Wochen zustande gekommen sind. Da waren zum Beispiel der unfassbare Valdimar und Band, die Jan und mir eine Gänsehaut verursacht haben. Oder AdHd, Punkjazz (von mir selbst erfundene Musikrichtung) der Extraklasse. Weitere drei warten noch darauf, geschnitten zu werden. Von wem, können wir jetzt natürlich noch nicht verraten, es soll ja spannend bleiben. Und nicht nur etablierte Musiker haben wir getroffen und ihnen auf den Zahn gefühlt. Wir haben eine Konzertreihe namens „Sofar Sounds“ begleitet und ihr Konzert in Rekjavík aufgezeichnet. Das Konzept dieser Konzerte entstand ursprünglich, weil einige Menschen völlig enttäuscht über eine laute und unaufmerksame Konzertatmosphäre waren und sich daraufhin entschlossen, geheime und intime Wohnzimmerkonzerte zu veranstalten. Nur Leute, die wirklich Lust auf die Musik hatten, konnten sich für die Konzerte bewerben und wurden dann handverlesen eingeladen. Diese Machart hat sich bis heute bewährt und ist sogar so erfolgreich, dass es Sofar Sounds mittlerweile auf der ganzen Welt gibt. Unsere Freundin Melina, die unter anderem Mitorganisatorin der Sofar Sounds in Reykjavík ist, hat uns außerdem mit dem wunderbaren Singer Songwriter Pete Uhlenbruch bekannt gemacht. Pete kommt ursprünglich aus Australien, wohnt nun aber schon eine ganze Weile in Island und schreibt tolle, von Island inspirierte Musik. Weil wir seine Musik wirklich schön finden, haben wir ihn uns geschnappt und ein etwas ausführlicheres Porträt über ihn gedreht. „A day with Pete Uhlenbruch“ wird hoffentlich bald fertig geschnitten sein, damit auch ihr euch von seinen Klängen verzaubern lassen könnt. Zu guter Letzt haben wir uns mit Olafur getroffen. Ein beeindruckender junger Isländer, der solch ein Gefühl in seine Songs legt, dass mir ganz schwindelig wird. Auch Jan ist hellauf begeistert (aber ich glaube mit weitaus weniger Schnulz als ich) und wird mit ihm in den nächsten Tagen zusammensitzen und aufnehmen. Ich freue mich riesig auf das Resultat. 

* schmacht *

Na klar, da war natürlich noch das Secret Solstice, das größte Musikfestival Islands, direkt neben unserem Campingplatz. Wir haben fette Bands gesehen und gut getanzt. Hierzu wird es vielleicht noch einmal gesondert etwas geben, Fotos kann man auf jeden Fall schon in unserem Blog finden. Schaut doch einmal rein. Das war`s für`s Erste zum Thema Musik. Reicht ja auch :-)

 

Zwischen unseren ganzen Terminen haben wir aber auch noch andere Dinge getan. Zum Beispiel Geburtstag gefeiert. Und das ist für denjenigen von uns, der nicht Geburtstag hat, immer ein ziemliches Ding. Denn irgendwie hat es sich etabliert, dass wir uns mit kleinen, witzigen Rätseln überraschen. Jan und ich sind beide keine großen Geschenke-Menschen. Letztendlich gibt man nur jedes Jahr aufs Neue viel Geld aus für Dinge, die man vielleicht gebrauchen kann, aber eben nicht unbedingt haben muss. Für uns persönlich ist es außerdem gerade erst zwei Monate her, dass wir unsere komplette Wohnung ausgemüllt haben, um nur die wichtigsten Sachen auf unsere Reise mitzunehmen. Da wäre es jetzt grundsätzlich großer Quatsch, wieder große Dinge anzuschaffen. Also gibt es eine Regel: Nur wenn man sich etwas ganz bestimmtes wünscht, das leicht in Willi passt und absolut zu gebrauchen ist, bekommt man es. Während Jan mir zu meinem Geburtstag dieses Wortbaustein-Puzzle gebastelt hatte, das mich auf einen Ausritt auf dem Eyjafjallajökull führte, musste er dieses Jahr auf Schnitzeljagd. Über den kompletten Campingplatz verteilte ich kleine Gedichte, die jeweils verschlüsselt den Standort des nächsten Rätsels verrieten. Keine halbe Stunde später hatte Jan alle Rätsel geknackt und freute sich über sein neues Bühnenoutfit, eine ziemlich fancy Hose von einer isländischen Designerin, die ihn einige Wochen zuvor völlig verzückt hatte. Ziemlich heißes Teil. 

 

Passend zu Jans Geburtstag hatte sich unser Freund Olli aus Hamburg angekündigt. Olli und Jan haben die letzten Jahre zusammen in der Hamburger Band LeFly (St. Pauli Tanzmusik) verbracht und sind darüber hinaus ziemlich dicke Kumpels geworden. Da kann man sich also vorstellen, dass die Freude groß war, als wir ihn am Flughafen endlich knuddeln konnten. Unser erster richtiger Besuch in Island. Ich fand, das wurde auch langsam mal Zeit, denn ehrlich gesagt hat mich in der letzten Woche doch ein klein wenig das Heimweh beschlichen. Ich habe zwar meinen engsten Freunden eine SMS geschickt, um ihnen zu sagen, dass ich sie vermisse und auch, um mal zu hören, wie es ihnen so geht in good old Hamburg, aber irgendwie ist in echt drücken und sich gegenüber sitzen schöner. Endlich also Olli-Besuch. Geil. Bis in die Nacht haben wir noch zusammen gesessen und an dem mitgebrachten Vodka genippt. Am nächsten Tag sind die Jungs dann los, um Jungs-Zeug zu machen. Kneipenbesuch und durch die Straßen ziehen. So hatte ich mal meine Ruhe und die Boys ne Menge Spaß. Alle glücklich. 

Und dann war es soweit! Nach den arbeitsintensiven Wochen in Reykjavík ging es endlich mal wieder raus in die Natur. Zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Snæfellsnes, eine kleine Halbinsel im Südwesten Islands. Angeblich soll hier nahezu die ganze Natur Islands zu finden sein. Für Olli, der wie wir das erste Mal in Island ist, ein gutes Ausflugsziel, um sich mit den Naturschönheiten unserer Lieblingsinsel bekanntzumachen. Willi stellten wir auf einem kleinen, süßen Campingplatz in Arnarstapi ab, grillten noch einmal ausgiebig unsere Mägen voll und packten unsere Rucksäcke für eine Wandertour Richtung Norden. Und direkt steckte ich wieder in diesem Supergefühl. Ich liebe das Wandern. Innerhalb kürzester Zeit stellt sich jedes Mal so eine wunderbar konstruktive Leere in meinem Kopf ein, als würde der Wind und die frische Luft das Gehirn bewirten. Als wäre etwas anderes viel wichtiger, als das, was davor war. Schritt für Schritt verschwindet der Alltag und macht Platz für Ideen und neue Ansätze. Die kleinen und großen Fragen dieser Welt sind dann weniger aufdringlich und die Verbundenheit, das Gefühl, dass alles zusammengehört und sich gegenseitig befruchtet, gewinnt an Bedeutung. Dass wir Menschen klein sind und es gut so ist. Kann man das verstehen? Nun gut. Schön ist es jedenfalls und befreiend. Das trifft`s wohl. Von Arnarstapi ging`s nach Hellna und von dort zum Vogelfelsen. Durch kilometerlange Lavafelder, immer am Meer vorbei. Hobbitland überall und wir drei kleinen Menschlein mittendrin. Immer neben uns: der  imposante Snæfellsjökull, dessen Schneespitze manchmal mit Wolkenwatte verhangen war, und manchmal gleißend von der Sonne beschienen wurde. Weil uns nach Tag 2 das Wasser ausging, weil weder eine Quelle, noch ein Wasserhahn auffindbar war, ließen wir uns von zwei sehr netten Amerikanern (die Island in zehn Tagen umrundeten) bis nach Hellisandur mitnehmen und verbrachten eine Nacht auf dem meiner Meinung nach schönsten Campingplatz bisher. Mitten im Lavagestein mit Blick aufs Meer und in die andere Richtung auf den Snæfellsjökull. Fantastisch. Dazu noch die Mitternachtssonne. Geht eigentlich nicht besser. Im Vorwege hatten Jan und ich eine kleine, nicht zum ersten Mal geführte Diskussion, ob wir im Zelt oder unter dem Tarp schlafen sollten. Ich hätte gern das Zelt genommen, aus Angst vor starken Regen, aber Jan konnte mich letztendlich überzeugen, dass ein Tarp schon alleine wegen des Gewichts die bessere Wahl war. Und im Nachhinein bin ich wirklich froh darüber. Denn so lagen wir jeden Abend in unsere Schlafsäcke gemummelt und konnten die schönsten Ausblicke meines Lebens genießen. Am letzten Wandertag machten wir einen kleinen Umweg auf der Strecke von Hellisandur nach Rif, von wo aus am nächsten Morgen der Bus zurück nach Arnarstapi fahren sollte. Die Hauptstraße und das Meer ließen wir hinter uns und wagten uns etwas ins Landesinnere vor. Von Weitem konnte man schon eine einsame Kirche erkennen, die am Ende eines Schotterweges inmitten eines Lupinenmeeres lag. Ein schöner Platz, um eine kurze Pause einzulegen, denn Jan kränkelte ein wenig. Und dann wollte Olli unbedingt noch den Berg besteigen. Über eine große Wiese wollten wir eine Abkürzung nehmen und hatten einfach nicht mit den Schafen, insbesondere den Papa-Böcken gerechnet, die uns nicht aus den Augen ließen und tatsächlich etwas angriffslustig in unsere Richtung stierten. Ich glaube, wir hätten das ganze unbeschadet überstanden, aber Olli behagten diese wütenden Wolltiere (ich liebe Alliterationen) überhaupt nicht. Also fast die gesamte Strecke wieder zurück und einen anderen Weg wählen. Dafür, dass Jan und ich in Island bisher eher wenige Tiere in freier Wildbahn gesehen haben (bis auf die Rentiere in Höfn), war Snæfellsnes gefühlt voll von ihnen. Schafe überall, Pferde, Unmengen an verschiedensten Vogelarten und sogar einen Polarfuchs habe ich nachts gesehen. Zu den Vögeln gibt es im Übrigen eine ganz eigene Geschichte. Kennt jemand von euch die Küstenseeschwalben, auch Krias oder Kiras genannt? Wirklich hübsche Gesellen. Allerdings nur von Weitem, denn wenn man ihnen  zu nahe kommt, werden sie zu monströsen Ungeheuern, die einem im Schwarm den Kopf zerhacken. Okay, ganz so schlimm ist es nicht, aber respekteinflößend sind diese Vögel allemal, wenn sie zu Hunderten auf einen losstürzen, dabei immer diese merkwürdigen „klackklackklack“- und „kriiiarrrrrr“- Geräusche ausstoßen und einem auf den Kopf kacken. Da hilft tatsächlich nur loslaufen, obwohl sie das dann noch wilder macht. Puh. Im Vlog kann man sich das mal anschauen. Oder in echt im kleinen Dörfchen Rif. Viel Spaß dabei :-)

Der Bus am nächsten Morgen fuhr natürlich nicht. Irgendwie habe ich es geahnt, denn in Schweden habe ich mal eine ähnlich enttäuschende Bus-Warte-Nicht-Erscheinen-Erfahrung gehabt und bin seitdem schwer traumatisiert. Aber egal. In Island geht das Trampen wunderbar und so schafften wir die Strecke bis zu Willi auch ohne Bus und kamen heil wieder in Reykjavík an. 

Olli und Jan ließen es sich die letzten Tage noch richtig gutgehen mit Public Viewing beim Island-Spiel, einem fetten Deftones-Konzert und heißkalten Bädern im Meer und HotPots und dann war der Tag des Abschieds doch irgendwie ganz schnell gekommen. Time to say Goodbye. Unser Freund Olli musste nach Hause. Lieber Olli, es war schön mit dir. Vielen Dank für die lustigen, musikalischen, sonnigen und muffeligen Momente. Wir lieben dich dafür, dass du uns immer einen Schritt voraus warst und uns stets den Island-Reiseführer vorgelesen hast. Danke, dass du da warst und bis ganz bald. ♥

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Chapter #5 - "Music makes the people"

Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Fast eineinhalb Monate sind wir jetzt schon unterwegs und lassen uns von Island mitreißen. Und obwohl wir jetzt schon die dritte Woche in Folge in Reykjavík weilen, war uns alles andere als langweilig. Viel zu viel gibt es zu entdecken, so viele tolle Menschen lernen wir Tag für Tag kennen und unser kriechender Einstieg in die Musikszene hat sich überraschenderweise zum busy Vollzeitjob gemausert. Dank des berühmt-berüchtigten Schneeballeffekts, den es hier scheinbar auch im Sommer gibt.

 

Unser absolutes Highlight in Woche 5 (weil es einfach so unglaublich aufregend war): Unser allererstes Interview mit der Filmemacherin und Musikerin Harpa Fönn. Vielleicht hat der ein oder andere von euch das Interview gesehen? Jan und ich haben stundenlang recherchiert, um bloß nichts Merkwürdiges zu sagen, alle Formulierungen der einzelnen Fragen akribisch in okay-em Englisch aufgeschrieben und uns durch Harpas halbes Leben gewühlt. Unnötig und übertrieben, wie sich herausstellen sollte, denn das Interview war ein Selbstgänger, dank Harpas freshen Erscheinung. Endlich hatten wir ungezwungen die Möglichkeit, die zarten Fühler auszustrecken und eine isländische Musikerin über die Musikszene im Lande auszuquetschen. Was macht den isländischen Sound denn nun aus, wollten wir von ihr wissen. Island sei schwarz und weiß, hell und dunkel, ein Land voller Kontraste. Und alles sei erlaubt. In der Musik, in der Kunst. Und tatsächlich ist Harpa ein Musterbeispiel für das, was sie da selbst erzählte. Wirklich ALLES scheint möglich in ihrer Art zu musizieren, und andere Isländer finden das alles ganz und gar nicht komisch. Ich übrigens auch nur ein bisschen, Jan allerdings ist sich mit der Komischheit noch nicht so sicher. Bei unserer Recherche zu Harpa sind wir auch auf ihre Band Grúska Babúska (Der Name wird tatsächlich so ausgesprochen, wie er geschrieben wird, allerdings mit einem sehrrrr starrrk gerrrolten „rrr“) gestoßen und fanden das alles schon sehr besonders. Unseren gelangweilten Ohren offenbarte sich eine Welt aus Tönen, die ganz ohne Weichspüler auskam. Nach Harpa gab es dann noch allerfeinsten melancholischen Singer-Songwriter Stuff von Þorir Georg. Unglaublich traurig. Erschreckend schön.

Ein zweites Highlight, besonders für mich, war das KEX + Kíton mit Künstlern wie Sóley, Hildur und Þórunn Antonía. Wobei sich meine ganz persönliche Freude auf Sóley konzentrierte. Eine wunderbare Musikerin, die wie ein zerbrechliches Gänseblümchen kurz vor der Blüte, ganz leise und zart im Regen wiegt. Ja, das mag jetzt etwas blumig klingen, aber wer Sóley kennt, weiß vielleicht, was ich meine. Kex + Kíton ist im übrigen eine Konzertreihe, die sich für die höher frequentierte Präsenz von Musikerinnen in Island stark macht und dementsprechend auch ausschließlich mit weiblichen Künstlerinnen aufwartet. Insgesamt engagieren sich in Island viele Frauen für die unterschiedlichsten Belange eben jener, fällt mir auf. Und wie ich finde ziemlich unaufgeregt, aber bestimmt. Scheint zu klappen, denn das KEX ist voll und Männlein sowie Weiblein im Publikum genießen das Konzert in Eintracht, schunkeln, wiegen sich hin und her und stampfen mit den Füßen, klatschen im Takt.

Übrigens: Die Organisatorinnen von Kíton haben mich gleich mal eingespannt, als sie unsere Kameraausrüstung gesehen haben. Zusammen mit zwei anderen Kamerafrauen habe ich das Konzert gefilmt. Wen es interessiert: Die Dokumentation über Musikerinnen in Island und Kíton erscheint voraussichtlich Ende des Jahres.

Zwischen den ereignisreichen, guten Tagen ist natürlich auch ab und an einer dabei, der irgendwie nicht so richtig laufen will. Am Mittwoch zum Beispiel mussten Jan und ich dringend getrennte Wege gehen. Die Luft in Willi war einfach zu dick für uns zwei. Schlechte Laune, Rumgepöbel, es schepperte hier und da, die Tür wurde geknallt, das Übliche eben, wenn Frau und Mann sich uneins sind. Also packte ich meinen Rucksack und verbrachte den Tag mit meinem neuen Kumpel Zak, unter anderem um mir anzuschauen, wie es in Reykjavík um die Dumpster Dive Szene bestellt ist. Gut, wie sich herausstellte, denn ich kehrte mit guter Laune und einem vollen Rucksack zurück. Und siehe da, die schlechte Luft hatte sich binnen vier Stunden schon wieder verzogen und Jan war sogar tierisch produktiv gewesen während meiner Abwesenheit. Die hiesige Muffeligkeit hatte sich in einem wunderbar melancholischen Song entladen, den wir an dieser Stelle noch nicht online stellen, wohl aber anteasern möchten. So kann`s laufen. Schlechte Laune + Auszeit = Musik. Merk` ich mir. Hihi.

Mittlerweile kennen wir uns in der Barszene in Reykjavík ganz gut aus. Zumindest dort, wo es Live-Konzerte gibt. Dieser selbstauferlegte Auftrag ist also schon erfüllt. Demnach versuchten wir uns wieder einmal am Sightseeing. Irgendwie denkt man immer, man müsste das machen. Keine Ahnung, warum. Hallgrímskirkja, Hafen, Harpa, Sólfar. Alles sehr schön. Aber irgendwie nicht so richtig unser Ding. Auf allen unseren Reisen waren wir immer eher abgeturnt vom Sightseeing-Wahn. So auch diesmal. Bus kommt an, Touristen raus, klickklick Foto, Selfie, schnell noch was essen, alle wieder rein in den Bus, ab zur nächsten Attraktion. Das Gleiche wieder von vorn und so weiter und so fort. Die Headline in Foren oder über Youtube-Videos lautet dann immer: „Meine Island-Rundreise in 14 Tagen“. Super tough. Und was habe ich dann erlebt? Was habe ich angefasst, geschmeckt, gehört und genossen? Nein, das mit dem Sightseeing-Marathon sollen lieber Leute mit besserer Kondition machen. Ich möchte lieber gemütlich sein.

 

Und dann war da noch Rolf. Rolf ist super. Und hat einen klasse alten Landrover aus England. Rolf hat uns schon zweimal gefunden auf dem Campingplatz. Rolf hat auch unseren Freund Jan Erik schon getroffen. Rolf ist ungefähr 70 Jahre und bleibt wie wir ein halbes Jahr. Ganz alleine ist er auf Island, und trotzdem jeden Tag bei Freunden. Ein bisschen deshalb, weil er immer leckeren, rosa Kuchen mitbringt oder seine Mütze bei uns im Wagen lässt, damit er wiederkommen kann. Aber auch ganz doll, weil er unheimlich liebenswert und arschcool ist. 

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