Högni Egilsson - Der Klang isländischer Melancholie

 

Reden wir über die isländische Musikszene, kommen zwangsläufig Björk und Sigur Rós auf den Tisch. Sie kennt man. Hat man schon einmal gehört. Islands Aushängeschilder auf dem arty Musikmarkt. Doch wagen wir einen Schritt vorwärts, einen Blick um die Ecke, reihen sich neben die international erfolgreichen Vorzeige-Kreativlinge auch Talente, die trotz ihrer vermeintlichen Unauffälligkeit, ihrem islandzentrierten Wirken nicht weniger begabt und originell dahermusizieren. Einer von ihnen ist der wunderbare Högni Egilsson.

 

 

Lange blonde Haare, Vollbart, stechender Blick. Högni Egilsson sieht aus, wie wir uns einen Isländer vorstellen. Er hat diesen Wikingerlook, aber auf einfühlsam. Hinter seinen Augen steckt der Glanz von Zerbrechlichkeit. Bei seinen Auftritten trägt er seine Haare gern offen, die Haarpracht weht im Wind. Auf seiner Stirn wechseln sich horizontale und vertikale Furchen ab, die vom Leben erzählen. Mit seiner Stimme, die bei jedem Ton ganz viel Luft drückt, ohne Volumen zu verlieren, bewirbt er melancholische Töne, der Hoffnung immer einen Schritt voraus, sodass sie nur am Rande noch zu erahnen ist. Ob elektronische Klänge, weich, breit, hart, zackig, smooth, geleitet von einem Chor aus 40 Männerstimmen oder leise Pianotöne, die neben Högnis Stimme die Stufen der Klaviatur emporsteigen: Irgendwie klingt das alles unheimlich gut und alles andere als breiig. Högni umschmeichelt die Ohren mit Vielseitigkeit, Innovation und der richtigen Prise Andersartigkeit.

 

 

Kein Wunder also, dass er unter Kennern schon lange kein Insidertipp mehr ist. Högni ist Multiinstrumetalist, spielt und komponiert für die isländischen Bands Gus Gus & Hjaltalin und ist nicht zuletzt ob seiner Talente als Komponist bei der Royal Shakespeare Company und im Icelandic National Theatre gefragt.

 

Im Frühjahr 2017 erscheint sein neues Album „Shed your skin“. Es kündigt sich als Narrativ an, das sich mit den Licht- und Schattenseiten unserer Seele auseinandersetzt. Sich die Frage stellt, was es bedeutet, als eine emotionale, zu Emotionen fähige Kreatur sein Dasein zu fristen. Gefühlvoll erzählt Egilsson aus dem Leben, elektronisch, gestrichen, choral, mit seiner unverwechselbaren Stimme.

 

Högni Egilsson zeigt sich nach zwei Jahren wieder dem Münchener Publikum. Am 25. Januar 2017 präsentiert er im Rahmen seines Solo Programms „Shed your skin“ in der Milla.

 

 

 

 

 

"Klangliche Schönheit kann so oberflächlich sein. All das Licht und die Wärme, in der du versinkst, und deine Ohren glühen förmlich. Es ist wirklich schwer, nicht in dieser Schönheit zu ertrinken. Du brauchst einfach eine gute Rettungsweste. Und vielleicht solltest du die Schönheit wie eine Welle reiten, mit einem Wakeboard, anstatt in ihr zu schwimmen – dann geht's."

 

(Quelle: Deutschlandfunk)

 

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