Chapter #5 - "Music makes the people"

Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Fast eineinhalb Monate sind wir jetzt schon unterwegs und lassen uns von Island mitreißen. Und obwohl wir jetzt schon die dritte Woche in Folge in Reykjavík weilen, war uns alles andere als langweilig. Viel zu viel gibt es zu entdecken, so viele tolle Menschen lernen wir Tag für Tag kennen und unser kriechender Einstieg in die Musikszene hat sich überraschenderweise zum busy Vollzeitjob gemausert. Dank des berühmt-berüchtigten Schneeballeffekts, den es hier scheinbar auch im Sommer gibt.

 

Unser absolutes Highlight in Woche 5 (weil es einfach so unglaublich aufregend war): Unser allererstes Interview mit der Filmemacherin und Musikerin Harpa Fönn. Vielleicht hat der ein oder andere von euch das Interview gesehen? Jan und ich haben stundenlang recherchiert, um bloß nichts Merkwürdiges zu sagen, alle Formulierungen der einzelnen Fragen akribisch in okay-em Englisch aufgeschrieben und uns durch Harpas halbes Leben gewühlt. Unnötig und übertrieben, wie sich herausstellen sollte, denn das Interview war ein Selbstgänger, dank Harpas freshen Erscheinung. Endlich hatten wir ungezwungen die Möglichkeit, die zarten Fühler auszustrecken und eine isländische Musikerin über die Musikszene im Lande auszuquetschen. Was macht den isländischen Sound denn nun aus, wollten wir von ihr wissen. Island sei schwarz und weiß, hell und dunkel, ein Land voller Kontraste. Und alles sei erlaubt. In der Musik, in der Kunst. Und tatsächlich ist Harpa ein Musterbeispiel für das, was sie da selbst erzählte. Wirklich ALLES scheint möglich in ihrer Art zu musizieren, und andere Isländer finden das alles ganz und gar nicht komisch. Ich übrigens auch nur ein bisschen, Jan allerdings ist sich mit der Komischheit noch nicht so sicher. Bei unserer Recherche zu Harpa sind wir auch auf ihre Band Grúska Babúska (Der Name wird tatsächlich so ausgesprochen, wie er geschrieben wird, allerdings mit einem sehrrrr starrrk gerrrolten „rrr“) gestoßen und fanden das alles schon sehr besonders. Unseren gelangweilten Ohren offenbarte sich eine Welt aus Tönen, die ganz ohne Weichspüler auskam. Nach Harpa gab es dann noch allerfeinsten melancholischen Singer-Songwriter Stuff von Þorir Georg. Unglaublich traurig. Erschreckend schön.

Ein zweites Highlight, besonders für mich, war das KEX + Kíton mit Künstlern wie Sóley, Hildur und Þórunn Antonía. Wobei sich meine ganz persönliche Freude auf Sóley konzentrierte. Eine wunderbare Musikerin, die wie ein zerbrechliches Gänseblümchen kurz vor der Blüte, ganz leise und zart im Regen wiegt. Ja, das mag jetzt etwas blumig klingen, aber wer Sóley kennt, weiß vielleicht, was ich meine. Kex + Kíton ist im übrigen eine Konzertreihe, die sich für die höher frequentierte Präsenz von Musikerinnen in Island stark macht und dementsprechend auch ausschließlich mit weiblichen Künstlerinnen aufwartet. Insgesamt engagieren sich in Island viele Frauen für die unterschiedlichsten Belange eben jener, fällt mir auf. Und wie ich finde ziemlich unaufgeregt, aber bestimmt. Scheint zu klappen, denn das KEX ist voll und Männlein sowie Weiblein im Publikum genießen das Konzert in Eintracht, schunkeln, wiegen sich hin und her und stampfen mit den Füßen, klatschen im Takt.

Übrigens: Die Organisatorinnen von Kíton haben mich gleich mal eingespannt, als sie unsere Kameraausrüstung gesehen haben. Zusammen mit zwei anderen Kamerafrauen habe ich das Konzert gefilmt. Wen es interessiert: Die Dokumentation über Musikerinnen in Island und Kíton erscheint voraussichtlich Ende des Jahres.

Zwischen den ereignisreichen, guten Tagen ist natürlich auch ab und an einer dabei, der irgendwie nicht so richtig laufen will. Am Mittwoch zum Beispiel mussten Jan und ich dringend getrennte Wege gehen. Die Luft in Willi war einfach zu dick für uns zwei. Schlechte Laune, Rumgepöbel, es schepperte hier und da, die Tür wurde geknallt, das Übliche eben, wenn Frau und Mann sich uneins sind. Also packte ich meinen Rucksack und verbrachte den Tag mit meinem neuen Kumpel Zak, unter anderem um mir anzuschauen, wie es in Reykjavík um die Dumpster Dive Szene bestellt ist. Gut, wie sich herausstellte, denn ich kehrte mit guter Laune und einem vollen Rucksack zurück. Und siehe da, die schlechte Luft hatte sich binnen vier Stunden schon wieder verzogen und Jan war sogar tierisch produktiv gewesen während meiner Abwesenheit. Die hiesige Muffeligkeit hatte sich in einem wunderbar melancholischen Song entladen, den wir an dieser Stelle noch nicht online stellen, wohl aber anteasern möchten. So kann`s laufen. Schlechte Laune + Auszeit = Musik. Merk` ich mir. Hihi.

Mittlerweile kennen wir uns in der Barszene in Reykjavík ganz gut aus. Zumindest dort, wo es Live-Konzerte gibt. Dieser selbstauferlegte Auftrag ist also schon erfüllt. Demnach versuchten wir uns wieder einmal am Sightseeing. Irgendwie denkt man immer, man müsste das machen. Keine Ahnung, warum. Hallgrímskirkja, Hafen, Harpa, Sólfar. Alles sehr schön. Aber irgendwie nicht so richtig unser Ding. Auf allen unseren Reisen waren wir immer eher abgeturnt vom Sightseeing-Wahn. So auch diesmal. Bus kommt an, Touristen raus, klickklick Foto, Selfie, schnell noch was essen, alle wieder rein in den Bus, ab zur nächsten Attraktion. Das Gleiche wieder von vorn und so weiter und so fort. Die Headline in Foren oder über Youtube-Videos lautet dann immer: „Meine Island-Rundreise in 14 Tagen“. Super tough. Und was habe ich dann erlebt? Was habe ich angefasst, geschmeckt, gehört und genossen? Nein, das mit dem Sightseeing-Marathon sollen lieber Leute mit besserer Kondition machen. Ich möchte lieber gemütlich sein.

 

Und dann war da noch Rolf. Rolf ist super. Und hat einen klasse alten Landrover aus England. Rolf hat uns schon zweimal gefunden auf dem Campingplatz. Rolf hat auch unseren Freund Jan Erik schon getroffen. Rolf ist ungefähr 70 Jahre und bleibt wie wir ein halbes Jahr. Ganz alleine ist er auf Island, und trotzdem jeden Tag bei Freunden. Ein bisschen deshalb, weil er immer leckeren, rosa Kuchen mitbringt oder seine Mütze bei uns im Wagen lässt, damit er wiederkommen kann. Aber auch ganz doll, weil er unheimlich liebenswert und arschcool ist. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Wendie Flore (Mittwoch, 01 Februar 2017 14:05)


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