Chapter #6 - "Nolli Nature" in Snaefellsness

Hallo Mama, hallo Papa, hallo ihr alle! Uns gibt es noch! Nach gefühlten drei Jahren schaffen wir es endlich wieder, einen neuen Vlog rauszuhauen und freuen uns riesig darüber, unsere schöne Wandertour mit euch zu teilen. Der Vlog steht dieses Mal unter dem Motto: „Nolli Nature“. Was das heißen soll? Vielleicht kommt ja jemand von euch darauf? In unserem Blogbeitrag finden sich sicher einige Tipps, wenn es später um unsere Wandertour geht.

Doch am besten, ich fange heute etwas weiter vorne an, denn es hat ja einen Grund, warum ihr so lange auf einen ausführlichen Bericht warten musstet. Auch wenn ich Gefahr laufe, mich ständig zu wiederholen: wir hatten mal wieder unfassbar viel zu tun.

Vor allem musikalisch ist einiges vorangegangen. Diejenigen unter euch, die uns auch über FacebookTwitter oder Instagram fleißig folgen, haben sicher schon einige Interviews gesehen, die in den letzten Wochen zustande gekommen sind. Da waren zum Beispiel der unfassbare Valdimar und Band, die Jan und mir eine Gänsehaut verursacht haben. Oder AdHd, Punkjazz (von mir selbst erfundene Musikrichtung) der Extraklasse. Weitere drei warten noch darauf, geschnitten zu werden. Von wem, können wir jetzt natürlich noch nicht verraten, es soll ja spannend bleiben. Und nicht nur etablierte Musiker haben wir getroffen und ihnen auf den Zahn gefühlt. Wir haben eine Konzertreihe namens „Sofar Sounds“ begleitet und ihr Konzert in Rekjavík aufgezeichnet. Das Konzept dieser Konzerte entstand ursprünglich, weil einige Menschen völlig enttäuscht über eine laute und unaufmerksame Konzertatmosphäre waren und sich daraufhin entschlossen, geheime und intime Wohnzimmerkonzerte zu veranstalten. Nur Leute, die wirklich Lust auf die Musik hatten, konnten sich für die Konzerte bewerben und wurden dann handverlesen eingeladen. Diese Machart hat sich bis heute bewährt und ist sogar so erfolgreich, dass es Sofar Sounds mittlerweile auf der ganzen Welt gibt. Unsere Freundin Melina, die unter anderem Mitorganisatorin der Sofar Sounds in Reykjavík ist, hat uns außerdem mit dem wunderbaren Singer Songwriter Pete Uhlenbruch bekannt gemacht. Pete kommt ursprünglich aus Australien, wohnt nun aber schon eine ganze Weile in Island und schreibt tolle, von Island inspirierte Musik. Weil wir seine Musik wirklich schön finden, haben wir ihn uns geschnappt und ein etwas ausführlicheres Porträt über ihn gedreht. „A day with Pete Uhlenbruch“ wird hoffentlich bald fertig geschnitten sein, damit auch ihr euch von seinen Klängen verzaubern lassen könnt. Zu guter Letzt haben wir uns mit Olafur getroffen. Ein beeindruckender junger Isländer, der solch ein Gefühl in seine Songs legt, dass mir ganz schwindelig wird. Auch Jan ist hellauf begeistert (aber ich glaube mit weitaus weniger Schnulz als ich) und wird mit ihm in den nächsten Tagen zusammensitzen und aufnehmen. Ich freue mich riesig auf das Resultat. 

* schmacht *

Na klar, da war natürlich noch das Secret Solstice, das größte Musikfestival Islands, direkt neben unserem Campingplatz. Wir haben fette Bands gesehen und gut getanzt. Hierzu wird es vielleicht noch einmal gesondert etwas geben, Fotos kann man auf jeden Fall schon in unserem Blog finden. Schaut doch einmal rein. Das war`s für`s Erste zum Thema Musik. Reicht ja auch :-)

 

Zwischen unseren ganzen Terminen haben wir aber auch noch andere Dinge getan. Zum Beispiel Geburtstag gefeiert. Und das ist für denjenigen von uns, der nicht Geburtstag hat, immer ein ziemliches Ding. Denn irgendwie hat es sich etabliert, dass wir uns mit kleinen, witzigen Rätseln überraschen. Jan und ich sind beide keine großen Geschenke-Menschen. Letztendlich gibt man nur jedes Jahr aufs Neue viel Geld aus für Dinge, die man vielleicht gebrauchen kann, aber eben nicht unbedingt haben muss. Für uns persönlich ist es außerdem gerade erst zwei Monate her, dass wir unsere komplette Wohnung ausgemüllt haben, um nur die wichtigsten Sachen auf unsere Reise mitzunehmen. Da wäre es jetzt grundsätzlich großer Quatsch, wieder große Dinge anzuschaffen. Also gibt es eine Regel: Nur wenn man sich etwas ganz bestimmtes wünscht, das leicht in Willi passt und absolut zu gebrauchen ist, bekommt man es. Während Jan mir zu meinem Geburtstag dieses Wortbaustein-Puzzle gebastelt hatte, das mich auf einen Ausritt auf dem Eyjafjallajökull führte, musste er dieses Jahr auf Schnitzeljagd. Über den kompletten Campingplatz verteilte ich kleine Gedichte, die jeweils verschlüsselt den Standort des nächsten Rätsels verrieten. Keine halbe Stunde später hatte Jan alle Rätsel geknackt und freute sich über sein neues Bühnenoutfit, eine ziemlich fancy Hose von einer isländischen Designerin, die ihn einige Wochen zuvor völlig verzückt hatte. Ziemlich heißes Teil. 

 

Passend zu Jans Geburtstag hatte sich unser Freund Olli aus Hamburg angekündigt. Olli und Jan haben die letzten Jahre zusammen in der Hamburger Band LeFly (St. Pauli Tanzmusik) verbracht und sind darüber hinaus ziemlich dicke Kumpels geworden. Da kann man sich also vorstellen, dass die Freude groß war, als wir ihn am Flughafen endlich knuddeln konnten. Unser erster richtiger Besuch in Island. Ich fand, das wurde auch langsam mal Zeit, denn ehrlich gesagt hat mich in der letzten Woche doch ein klein wenig das Heimweh beschlichen. Ich habe zwar meinen engsten Freunden eine SMS geschickt, um ihnen zu sagen, dass ich sie vermisse und auch, um mal zu hören, wie es ihnen so geht in good old Hamburg, aber irgendwie ist in echt drücken und sich gegenüber sitzen schöner. Endlich also Olli-Besuch. Geil. Bis in die Nacht haben wir noch zusammen gesessen und an dem mitgebrachten Vodka genippt. Am nächsten Tag sind die Jungs dann los, um Jungs-Zeug zu machen. Kneipenbesuch und durch die Straßen ziehen. So hatte ich mal meine Ruhe und die Boys ne Menge Spaß. Alle glücklich. 

Und dann war es soweit! Nach den arbeitsintensiven Wochen in Reykjavík ging es endlich mal wieder raus in die Natur. Zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Snæfellsnes, eine kleine Halbinsel im Südwesten Islands. Angeblich soll hier nahezu die ganze Natur Islands zu finden sein. Für Olli, der wie wir das erste Mal in Island ist, ein gutes Ausflugsziel, um sich mit den Naturschönheiten unserer Lieblingsinsel bekanntzumachen. Willi stellten wir auf einem kleinen, süßen Campingplatz in Arnarstapi ab, grillten noch einmal ausgiebig unsere Mägen voll und packten unsere Rucksäcke für eine Wandertour Richtung Norden. Und direkt steckte ich wieder in diesem Supergefühl. Ich liebe das Wandern. Innerhalb kürzester Zeit stellt sich jedes Mal so eine wunderbar konstruktive Leere in meinem Kopf ein, als würde der Wind und die frische Luft das Gehirn bewirten. Als wäre etwas anderes viel wichtiger, als das, was davor war. Schritt für Schritt verschwindet der Alltag und macht Platz für Ideen und neue Ansätze. Die kleinen und großen Fragen dieser Welt sind dann weniger aufdringlich und die Verbundenheit, das Gefühl, dass alles zusammengehört und sich gegenseitig befruchtet, gewinnt an Bedeutung. Dass wir Menschen klein sind und es gut so ist. Kann man das verstehen? Nun gut. Schön ist es jedenfalls und befreiend. Das trifft`s wohl. Von Arnarstapi ging`s nach Hellna und von dort zum Vogelfelsen. Durch kilometerlange Lavafelder, immer am Meer vorbei. Hobbitland überall und wir drei kleinen Menschlein mittendrin. Immer neben uns: der  imposante Snæfellsjökull, dessen Schneespitze manchmal mit Wolkenwatte verhangen war, und manchmal gleißend von der Sonne beschienen wurde. Weil uns nach Tag 2 das Wasser ausging, weil weder eine Quelle, noch ein Wasserhahn auffindbar war, ließen wir uns von zwei sehr netten Amerikanern (die Island in zehn Tagen umrundeten) bis nach Hellisandur mitnehmen und verbrachten eine Nacht auf dem meiner Meinung nach schönsten Campingplatz bisher. Mitten im Lavagestein mit Blick aufs Meer und in die andere Richtung auf den Snæfellsjökull. Fantastisch. Dazu noch die Mitternachtssonne. Geht eigentlich nicht besser. Im Vorwege hatten Jan und ich eine kleine, nicht zum ersten Mal geführte Diskussion, ob wir im Zelt oder unter dem Tarp schlafen sollten. Ich hätte gern das Zelt genommen, aus Angst vor starken Regen, aber Jan konnte mich letztendlich überzeugen, dass ein Tarp schon alleine wegen des Gewichts die bessere Wahl war. Und im Nachhinein bin ich wirklich froh darüber. Denn so lagen wir jeden Abend in unsere Schlafsäcke gemummelt und konnten die schönsten Ausblicke meines Lebens genießen. Am letzten Wandertag machten wir einen kleinen Umweg auf der Strecke von Hellisandur nach Rif, von wo aus am nächsten Morgen der Bus zurück nach Arnarstapi fahren sollte. Die Hauptstraße und das Meer ließen wir hinter uns und wagten uns etwas ins Landesinnere vor. Von Weitem konnte man schon eine einsame Kirche erkennen, die am Ende eines Schotterweges inmitten eines Lupinenmeeres lag. Ein schöner Platz, um eine kurze Pause einzulegen, denn Jan kränkelte ein wenig. Und dann wollte Olli unbedingt noch den Berg besteigen. Über eine große Wiese wollten wir eine Abkürzung nehmen und hatten einfach nicht mit den Schafen, insbesondere den Papa-Böcken gerechnet, die uns nicht aus den Augen ließen und tatsächlich etwas angriffslustig in unsere Richtung stierten. Ich glaube, wir hätten das ganze unbeschadet überstanden, aber Olli behagten diese wütenden Wolltiere (ich liebe Alliterationen) überhaupt nicht. Also fast die gesamte Strecke wieder zurück und einen anderen Weg wählen. Dafür, dass Jan und ich in Island bisher eher wenige Tiere in freier Wildbahn gesehen haben (bis auf die Rentiere in Höfn), war Snæfellsnes gefühlt voll von ihnen. Schafe überall, Pferde, Unmengen an verschiedensten Vogelarten und sogar einen Polarfuchs habe ich nachts gesehen. Zu den Vögeln gibt es im Übrigen eine ganz eigene Geschichte. Kennt jemand von euch die Küstenseeschwalben, auch Krias oder Kiras genannt? Wirklich hübsche Gesellen. Allerdings nur von Weitem, denn wenn man ihnen  zu nahe kommt, werden sie zu monströsen Ungeheuern, die einem im Schwarm den Kopf zerhacken. Okay, ganz so schlimm ist es nicht, aber respekteinflößend sind diese Vögel allemal, wenn sie zu Hunderten auf einen losstürzen, dabei immer diese merkwürdigen „klackklackklack“- und „kriiiarrrrrr“- Geräusche ausstoßen und einem auf den Kopf kacken. Da hilft tatsächlich nur loslaufen, obwohl sie das dann noch wilder macht. Puh. Im Vlog kann man sich das mal anschauen. Oder in echt im kleinen Dörfchen Rif. Viel Spaß dabei :-)

Der Bus am nächsten Morgen fuhr natürlich nicht. Irgendwie habe ich es geahnt, denn in Schweden habe ich mal eine ähnlich enttäuschende Bus-Warte-Nicht-Erscheinen-Erfahrung gehabt und bin seitdem schwer traumatisiert. Aber egal. In Island geht das Trampen wunderbar und so schafften wir die Strecke bis zu Willi auch ohne Bus und kamen heil wieder in Reykjavík an. 

Olli und Jan ließen es sich die letzten Tage noch richtig gutgehen mit Public Viewing beim Island-Spiel, einem fetten Deftones-Konzert und heißkalten Bädern im Meer und HotPots und dann war der Tag des Abschieds doch irgendwie ganz schnell gekommen. Time to say Goodbye. Unser Freund Olli musste nach Hause. Lieber Olli, es war schön mit dir. Vielen Dank für die lustigen, musikalischen, sonnigen und muffeligen Momente. Wir lieben dich dafür, dass du uns immer einen Schritt voraus warst und uns stets den Island-Reiseführer vorgelesen hast. Danke, dass du da warst und bis ganz bald. ♥

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